Rusalka Rom

Opernkritik: Rusalka

Rusalka in der Box

Foto: Yasuko Kageyama/Teatro dell’Opera di Roma

Mit Antonin Dvoraks „Rusalka“ wurde jetzt die neue Saison der römischen Staatsoper eröffnet. Dass es überhaupt zu einer Saisoneröffnung kommen konnte, war vor ein paar Wochen noch vollkommen unklar.
Von Thomas Migge

(Rom, Anfang Dezember 2014) Nach dem überraschenden Rücktritt von Generalmusikdirektor Riccardo Muti infolge erneuter Streikdrohungen der Musiker und Chorsänger drohte Intendant Carlo Fuortes mit der Schließung der Staatsoper. Diese sollte durch die für Ende November geplante Entlassung sämtlicher Musiker und Choristen vermieden werden. Es gab einen internationalen Aufschrei der Entrüstung. Sogar die Berliner Philharmoniker bekundeten ihren römischen Kollegen ihre volle Solidarität. Doch dann wendete sich im Fall der Staatsoper Rom das Blatt. Der Verwaltungsrat des Hauses entschied, die Entlassungen zurückzunehmen, nachdem sich alle Betroffenen dazu bereit erklärt hatten, zukünftig keine wilden Streiks mehr zu organisieren und eine Kürzung ihres Salärs hinzunehmen.
„Das ist ein wirklich guter Neuanfang für uns“, erklärte Intendant Fuortes. „Diese Einigung garantiert weitere positive Entwicklungen für das Theater.“ Ist damit der Fall der mit knapp 40 Millionen Euro hoch verschuldeten Staatsoper gelöst? Mitnichten, denn am 1. Januar müssen die Verträge sämtlicher Mitglieder des Verwaltungsrats erneuert werden. Ob das geschieht, ist unklar. Genauso unklar ist, ob sich die in acht Gewerkschaften organisierten rund 600 Mitarbeiter des Theaters auch wirklich an den jetzt vereinbarten Burgfrieden halten, nicht mehr zu streiken und niedrigere Gehälter zu akzeptieren. Ebenso unklar ist, wie der Schuldenberg abgetragen werden soll.
Ein Burgfrieden, mit dem man Maestro Muti davon überzeugen will, dass es in Rom jetzt wieder weitergehen wird. Mit dem präzisen Ziel, den fahnenflüchtigen Dirigenten wieder nach Rom zurück zu locken.
Aber auch ohne Muti wurde die neue Saison mit einer sehenswerten Inszenierung eröffnet. Der junge Ersatzdirigent Eivind Gullberg Jensen bewies, dass er das reiche musikalische Farbenspektrum Dvoraks beherrscht. Er unterstrich auch die Einflüsse von Wagner und Mahler auf die Komposition. 
Nur zwei Monate hatte der italo-französische Regisseur Denis Krief Zeit, die Oper in Szene zu setzen. Der in Berlin lebende Krief kümmerte sich um Regie, Bühnenbilder, die Kostüme und die Beleuchtung. Seine Inszenierung kostete nur 50.000 Euro. Nichts gegen die teuren Inszenierungen, die vor der großen Krise in Rom angesagt waren.
Krief inszenierte „Rusalka“ in einer hölzernen Box als Schauspiel mit Musik. Wenig Bühnenbilder, die wenigen aber so geschickt eingesetzt, dass das „spettacolo“ in sich stimmig war. Krief bot eine fast schon spröde Inszenierung, die aber nicht als solche empfunden wurde, weil es Dirigent Jensen auf meisterhafte Weise gelang, den tonalen Reichtum der Partitur herauszuarbeiteten. Ein in jeder Hinsicht gelungener Opernabend. 
Das gilt auch für die zumeist osteuropäischen Sänger. Darunter Svetlana Vassileva als überzeugende, wenngleich stimmlich ein wenig schwache Rusalka. Maksim Aksenov als Prinz, der stimmgewaltige Steven Humes als Vodnik und die geheimnisvolle Stimme von Larissa Diadkova, ein Star des Sankt Petersburger Mariinsky-Theaters, als Hexe Jezibaba waren eine fast ideale Besetzung für diese Oper.
 
 

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