Rudolf Buchbinder Köln

Nicken genügt

Rudolf Buchbinder Foto: Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder und die Dresdner Staatskapelle mit Mozart-Konzerten in Köln
Von Christoph Zimmermann
(Köln, 13. Januar 2016) In diesem Jahr feiert der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder seinen 70. Geburtstag feiert. Buchbinders mehrfache Marathon-Präsentation von dessen 32 Sonaten, sein Buch „Mein Beethoven“ – das zeigt den Kenner und Könner wahrhaft nachdrücklich. Bis zum exakten Geburtsdatum (1.12.) dauert es noch einige Zeit, aber das jetzige Konzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden war auch nicht als Gratulation deklariert. Der Kölner Auftritt ist ganz einfach eine von vielen Stationen im Auftrittskalender des umtriebigen, auch als engagierter Festivalleiter (Grafenegg) tätigen Pianisten.
Zwei Tage nach dem Kölner Konzert wurden Mozart-Klavierkonzerte veröffentlicht, welche Buchbinder mit dem Dresdner Orchester eingespielt hat, darunter auch KV 467, das Schlussstück des Kölner Abends. Buchbinder dirigierte von seinem Instrument aus, wie er es schon bei den Wiener Philharmonikern und Symphonikern getan hat. Dieses Prinzip hat sich längst durchgesetzt, wie beispielsweise auch bei Mitsuko Uchida und András Schiff. Von Buchbinder gibt es darüber hinaus Einspielungen mit Dirigenten (Neville Marriner, Nikolaus Harnoncourt).
Bei einem Eliteorchester wie dem aus Dresden kann sich nach ausreichenden Proben eine Verständigung freilich auf wenige Gesten beschränken: Tempo, Agogik und Dynamik sind abgesprochen, das Zusammenspiel bedarf keiner ostentativen Zeichen mehr. So begnügte sich Buchbinder manchmal mit einem simplen Kopfnicken. Bis auf den nicht ganz exakten Schlussakkord funktionierte dieses partnerschaftliche Musizieren sehr glückhaft und bezaubernd.
Das zu Beginn des Abends gebotene Konzert KV 595, das letzte einschlägige aus Mozarts Feder, diente teilweise noch der Hörorientierung. Der Kopfsatz wirkte im Tempo etwas gemessen, das Finale besaß deutlich mehr Esprit, das mittlere Larghetto schwang in seiner meditativen Ruhe bezwingend aus – wie später auch das paradiesisch schöne Andante von KV 467. Von den Bläsern kamen besonders schöne Farben.
Auch der elegische Beginn von Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll opus 79 bestach in seinem leicht trauergeränderten Gestus, welcher dem meditativen Wesenszug des Pianisten wohl auch besonders entspricht. Der Marcia-Teil des Werkes ließ Buchbinder dann aber auch als einen mit rasanten Glissandi aufwartenden Virtuosen kennenlernen. Mit der Staatskapelle brachte er Webers pulsierende, mitreißende Musik förmlich zum Glitzern.

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