RSO Stuttgart Hahn 6-2007

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Brahms und Elgar im Stuttgart-Sound

Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart mit Hilary Hahn unter Sir Roger Norrington im Münchner Gasteig
(München, 25. Juni 2007). Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart kürt gern die besonderen Dirigenten zu seinen Chefs. Vor mehr als zwei Jahrzehnten prägte Sergiu Celibidache den Klang des Ensembles, jetzt ist es Sir Roger Norrington, der mit den Musikern seinen „Stuttgarter Sound“ entwickelte. Wie unverbraucht, ja „unerhört“ ihr Brahms klingt, das durften die Münchner am Sonntagabend in der Philharmonie im Gasteig erleben.
Norrington, der 73jährige, vitale, mit großer Geste und ganzem Körpereinsatz – bis hin zum Luftsprung – agierende Dirigent hat eine erfrischende Symbiose geschaffen zwischen historischer Aufführungspraxis und den Möglichkeiten eines modernen Symphonieorchesters. Non vibrato ist da erste Streicher-Pflicht auch bei Brahms erster Sinfonie, in deren Kopfsatz alles Auffahrende, Ungestüme in klanglich-rhythmischen Details plastisch herausgearbeitet wurde.
Klangmassierungen hatten durchaus ihren Platz, aber sie wurden eingebunden in eine sinnstiftende Dramaturgie, in der auf kleinstem Raum Crescendi und Decrescendi Struktur und Klang formten. Etwa im Finalsatz, wo die Posaunen, animiert von einem besonders weichen Horn-Quartett, herrlich satt ihren Choral anstimmten. Spannend, wie Norrington immer wieder aus einem Detail heraus neue Kraft freisetzte für die nicht enden wollende Durchführung, bevor er die Coda entfesselte. Aber auch in den Mittelsätzen ereignete sich Erstaunliches: Weil er mit seinem eingeschworenen Orchester feinherbe Kantilenen sang, Phrasen spannte, Binnenstimmen freisetzte und Raum und Zeit gewährte, damit sich der sehnige Klang entfalten konnte.
 
Kein vollfettes, aber ein dezentes Vibrato gestattete sich Hilary Hahn als Solistin in Edward Elgars Violinkonzert. Ihr bis in extreme Höhen substanzreicher Ton, ihre in jeder Lage makellose Intonation und ihre natürliche Musikalität adelten das Werk. Mehr noch als die selbstverständlich virtuos hingejagten Läufe oder Kapriolen im Finalsatz, faszinierte die ruhige Linienführung. Norrington und das SWR-Orchester lieferten  den subtil ausbalancierten Rahmen oder die zarte Folie für ihre Klangzaubereien. Mit einer Sarabande von Bach machte sie das Zuhörerglück vollkommen. 
Gabriele Luster

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