Rousset dirigiert Oper von Salieri in Versailles

Eine Revolutionsoper von Salieri

Christophe Rousset führt mit Les Talens Lyriques „Tarare“ von Antonio Salieri in Versailles – die Produktion wird in den kommenden Monaten an verschiedenen anderen europäischen Theatern zu hören sein.

Von Thomas Migge

(Versailles, 22. November 2018) Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais schrieb nur ein einziges Opernlibretto. Und das handelt von dem Gegensatz zwischen einem schlechten, weil autoritären und skrupellosen und einem guten, weil weisen Herrscher. Die Musik zum Libretto komponierte der im damaligen Paris beliebte Italiener Antonio Salieri. Beaumarchais hatte zunächst an Gluck als Komponisten gedacht, aber der Österreicher lehnte ab.

Die Premiere der Oper mit dem Titel „Tarare“ fand 1787 in Paris statt. Also zwei Jahre bevor die französische Revolution König Ludwig XVI. vom Thron und das Ancien Regime in die Mottenkoste der Geschichte fegte.
In gewissem Sinn ist „Tarare“ also eine Revolutionsoper. Eine sehr erfolgreiche Oper, die, und das war ziemlich modern damals, tragische und komische, exotische und sehr politische Elemente auf ungemein elegante und witzige Weise miteinander verband. Salieri ging es in diesem Werk nicht nur um die reine Musik, sondern er verstand, ganz im Sinn von Beaumarchais, die Musik auch als Sprachrohr für bestimmte philosophische und somit auch politische Ideen. Insofern kommt dem Libretto in „Tarare“ mehr Bedeutung zu als in anderen Opern des Komponisten.

Die Geschichte ist einfach und wurde von Beaumarchais‘ Zeitgenossen als eindeutige politische Anspielung verstanden. Der gute und einfache Soldat Tarare bekämpft, um seine Frau zu befreien, den bösen Tyrannen Sultan Atar. Das gelingt ihm, und so wird er zum neuen König ernannt. Die Oper war ein so großer Erfolg, dass Librettist Da Ponte sie übernahm, bearbeitete und in Wien unter dem Titel „Axur, Re d’Ormuz“ in italienischer Sprache auf die Bühne brachte.

In der prächtigen königlichen Oper des Schlosses von Versailles brachte nun Christophe Rousset die französische Oper Salieris auf die Bühne – als konzertante Aufführung. Und genau das machte den besonderen Reiz dieser Aufführung aus. Die Musik, das Libretto und die Handlung sind so lebendig, spritzig und ergreifend, dass man bei einem solchen Werk, das man heute nur extrem selten, wenn überhaupt, zu hören bekommt, nicht unbedingt eine Bühneninszenierung benötigt. Schon die reine musikalische Aufführung ist ein Genuss.
Vor allem dann, wenn sich dieser für die französische Musik des 18. Jahrhunderts so erfahrene Interpret eines solchen Werkes annimmt.

Rousset und sein Ensembre Les Talens Lyriques gelang es meisterhaft und raffiniert, Salieris französisch-italienische Musik zu interpretieren. Cyrille Dubois als Tarare, Jean-Sébastien Bou als Atar, Karine Deshayes als Astasie und der übrige Cast waren stimmlich perfekt. Ihnen gelang es, die psychologisch unterschiedlichen Charaktere überzeugend darzustellen. Der Chor, Les Chantres du Centre de musique, unter Leitung von Olivier Schneebeli, bildete eine perfekte Ergänzung zu den Solisten. Ein in diesem Musikgenre erfahrener Chor, unter Leitung des auf Gesang des französischen 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierten Experten Olivier Schneebeli.
Wieder erweist sich Rousset als musikalischer Archäologe. Wieder beweist er, dass es noch viele französische Opern des 18. Jahrhunderts gibt, die viel mehr Beachtung verdienen, als ihnen bisher zukommt. Vor allem, wenn es sich um Werke wie Salieris „Tarare“ handelt. Eine Oper, die von Mozart bis zum jungen Berlioz Komponisten beeinflusst hat. Die Aufführung in Versailles fand anlässlich der Einspielung der Oper auf CD statt.

Werbung

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.