Rossini Tell

CD der Woche

Rossinis „Guillaume Tell“ erstmals vollständig auf CD (Naxos)

Für vergleichbare Aufregung wie jüngst an Covent Garden (Szene einer Massenvergewaltigung) hat „Guillaume Tell“ in der Rossini-Hochburg Bad Wildbad 2013 nicht gesorgt. Über die Inszenierung (ausschnittweise auf Youtube zu sehen) soll hier nicht befunden werden, entscheidender bei dem Naxos-Mitschnitt ist das Faktum „First Recording oft he complete Opera“, welches für die letzten repräsentativen Einspielungen (Gardelli 1972, Chailly 1978, Muti 1988) nicht gilt.

Ob die rund vier Stunden Rossini wirklich bühnentauglich sind, mag man ungeachtet des musikalischen Reichtums der Partitur bezweifeln. Der „Tell“ beinhaltet zahlreiche Ballettnummern, die bereits im Vorfeld der Uraufführung 1829 Probleme schufen. Aber hin und wieder sollte man für den strengen Rückgriff auf ursprünglich Entworfenes dankbar sein. Details können an dieser Stelle aufgrund der Fülle nicht aufgelistet werden. Das Naxos-Booklet gibt jedoch umfassend Auskunft.

Der vom SWR verantwortete Mitschnitt aus Bad Wildbad ist dramaturgisch erhellend, aber darüber hinaus künstlerisch ausgesprochen hochrangig, wobei der großartige Camerata Bach Choir Poznan besondere Erwähnung verdient. Aber auch die Virtuosi Brunensis unter Antonino Fogliani (bei Naxos schon mit „Otelllo“ und „Semiramide“ vertreten) bieten Hochkarätiges. Der ausladende Bariton von Andrew Foster-Williams (Titelpartie) und der klangvolle Sopran von Judith Howarth (Mathilde) beeindrucken ungemein, die Tenöre Michael Spyres (Arnold) und Artavazd Sargsyan (Ruodi) sind schlichtweg sensationell.

Christoph Zimmermann

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