Roberto Devereux

Und mit seinem Geiste

„Roberto Devereux“ Foto: Oper Rom

Neues von der ewigen Opernbaustelle in Rom

(Rom, Anfang Oktober 2010) Kommt er oder kommt er nicht? Roms Staatsoper war monatelang im Muti-Fieber. Ganze 18 Monate verhandelte Roms Bürgermeister mit Riccardo Muti über dessen Engagement. Schließlich hieß es, dass er kommen würde. Irgendwie als künstlerischer Ko-Direktor. Das Verhandlungsresultat hörte sich rechts schwammig an, denn es gibt ja bereits einen künstlerischen Direktor, Alessio Vlad.
 
Dann, Anfang Oktober, kam die Absage Mutis. Er wird zwar kommen, aber nur um zwei Opern zu dirigieren. Von einer künstlerischen Beratung der Staatsoper kann also keine Rede sein. Außer Spesen nichts gewesen. So der Eindruck. Doch bei der Präsentation der in ihrem Image arg angeschlagenen Staatsoper verkündete man doch allen Ernstes, dass der Geist Mutis präsent sei. Wie auch immer.
 
Nach der Kündigung des viel versprechenden künstlerischen Direktors Nicola Sani, der als zeitgenössischer Komponist auch in Deutschland bekannt ist, durch den neuen rechten Bürgermeister, präsentierte das Theater eine eher laue Saison. Lau weil langweilig und künstlerisch nicht gut besetzt. Für ein Gesamtbudget von rund 55 Mio. Euro darf man Besseres erwarten.
 
Umso überraschender Donizettis "Roberto Devereux". Ein Werk, das man nicht oft zu sehen bekommt. Schon gar nicht in Italien.
Diese Aufführung war mit Anstand die beste der ganzen römischen Saison! Und das, obwohl man alte Bühnenbilder nutzte, von Alberto Fassini. Alt, aber faszinierend: Imitierten sie doch ein elisabethanisches Ambiente wie in einem Historienfilm der 50er Jahre. Üppig in der Gestaltung, prächtig und schön anzusehen. Und erst die Kostüme von David Walker: prunkvoll und farbenprächtig. Man hatte an nichts gespart. Die Beleuchtung von Agostino Angelini sorgte für Stimmungsmomente zwischen hell und dunkel wie auf Gemälden von Caravaggio.
 
Überraschend auch die ausgezeichnete Besetzung. Carmela Remigio war eine beeindruckende Königin Elsabeth I.: eine kraftvolle und agile Stimme und ein schauspielerisches Talent, wie man es in der Besetzung dieser Rolle nur selten findet. Regisseur Joseph Franconi Lee zeigte zwei Seiten der Königin. Die offizielle Seite und die intime Seite einer zerbrechlich wirkenden und gealterten Frau. Vor allem im letzten Akt, als Elisabeth erfährt, dass ihr Geliebter tot ist, wird zu einer Art Schauspiel mit Musik.
Die Rolle der Sara sang Sonia Ganassi, sicherlich eine der besten italienischen Mezzosoprane überhaupt. Eine kräftige und gleichzeitig weiche Stimme mit dramatischer Intensität. Die Titelrolle bestritt Massimiliano Pisapia, einer der ganz großen italienischen Tenöre.
 
Ein großes Lob auch für Bruno Campanella. Der Dirigent ist ein Meister im Donizetti-Fach. Er zauberte die ungewöhnlich reiche Chromatik der Partitur hervor, so sehr, dass man sich fragt, warum man gerade in Italien diese Oper nicht öfter zu hören ist.
 
Thomas Migge
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