Roberto Alagna

Zurück zu den Wurzeln

Roberto Alagna – The Sicilian
Deutsche Grammophon

Seitdem Roberto Alagna auf der Pariser Place de la Concorde die Marseillaise geschmettert hat, halten viele ihn für den derzeit französischsten aller Tenöre. Dass Alagna aus einer sizilianischen Einwandererfamilie stammt und somit, wenn auch in Frankreich geboren, eine enge Bindung an Italien hat, wusste kaum jemand. Nun hat er sich mit seinem neuen Album "The Sicilian" auf die Suche nach seinen Wurzeln begeben.

Im Booklet lässt Alagna sich mit dem Satz zitieren, dieses Album sei das persönlichste, das er je gemacht habe. Und tatsächlich: Man hört seinem Umgang mit der Musik die persönliche Identifikation an: Die traditionellen Tarantellas, Walzer und Liebeslieder der sizilianischen Folklore nimmt er zugleich ernst und leicht: Sorgfältig hat er sie sich erarbeitet, wohlüberlegt gesetzt ist jeder Ton. Alagna missbraucht diese schlichten Volkslieder aber nicht dazu, sein noch immer sehr gesund klingendes Material in großer tenoraler Attitüde auszustellen. Vielmehr empfindet er die Lieder als leidenschaftlicher Sizilianer nach – und nicht als der Jet-Set-Tenor, als der ihn eine übereifrige Marketingabteilung gerne zeichnet. Yvan Cassar hat dazu idiomatische Arrangements besorgt, die auf traditionelle Instrumente der sizilianischen Volksmusik  wie Akkordeon, Mandoline und Maultrommel zurückgreifen und nur gelegentlich – wie in dem allzu orchestral aufgeplusterten "Mi votu" – die Grenze zum Kitsch überschreiten.

Ein kleiner Makel an der Produktion ist das Booklet, das zwar viel Marketinggetöse zu Alagnas Biographie, jedoch weder Übersetzungen der Liedtexte noch eine Beschreibung von deren Inhalt enthält. So bleibt es dem Hörer überlassen, den Gehalt der Lieder Alagnas musikalischem Nachempfinden abzuhören.
Markus Schäfert
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