Ressaca beim Dok-Fest München

Wider die Ignoranz

Das Münchner Dokumentarfilmfest zeigt eine Reihe von sehenswerten Musikfilmen, darunter den überaus beeindruckenden Film „Ressaca“ über den Kampf der Künstler für den Erhalt des Theaters von Rio de Janeiro

Von Robert Jungwirth

(München, 7. Mai 2019) Für Joao ist das Teatro Municipal nicht nur eine zweite Heimat, für ihn ist es „das Paradies“. Der alte Mann arbeitet seit mehr als 35 Jahren in dem Opernhaus als Saalwärter. Wenn er seine Uniform anzieht, sieht er so würdevoll aus als sei er der Intendant. Und auch wenn er die Uniform nicht an hat, bleibt er würdevoll. Dabei lebt Joao in ärmlichen Verhältnissen, arbeitet zusätzlich noch als Handwerker, um sich etwas dazu zu verdienen. Er sagt, er brauche das Geld auch, um seine Enkel zu unterstützen, damit sie nicht anfangen zu dealen.

Wir sind in Rio de Janeiro des Jahres 2018. Die Menschen leiden unter der schwächelnden Wirtschaft, der hohen Kriminalität und einer unfähigen und korrupten Regierung. Die hat die Zahlungen für die Angestellten des Theaters seit ein paar Monaten ausgesetzt. In Betriebsversammlungen überlegen die Theaterleute, wie es weitergehen kann. Sie ahnen, wenn sie aufhören zu spielen, wird das Theater einfach geschlossen. Und dann ist es vorbei. Deshalb spielen die Musiker, singen die Sänger und tanzen die Tänzer ohne Gehalt einfach weiter und machen öffentlich auf ihre Lage aufmerksam. Doch wie lange kann das gutgehen?

Rimbaux Vincents S-W-Dokumentarfilm über den Kampf der Künstler für den Erhalt des Theaters von Rio de Janeiro – eines wunderschönen Jahrhundertwendepalasts, der von der Pariser Oper inspiriert ist – ist ein bewegendes Dokument über die Kraft der Kunst in Zeiten der Kulturlosigkeit, eine herzergreifende Hommage an die Kunst und eine Anklage an die kulturvernichtende Ignoranz von Politikern. Tänzer, Sänger, Musiker alle bekommen eine Stimme in diesem Film. Bei einer öffentlichen Demonstration der Künstler für den Erhalt ihres Theaters, treibt es Passanten die Tränen in die Augen, weil sie nicht fassen können, was hier passiert. Dass ein Land sein wichtigstes Theater einfach verkommen lässt.

Auch als Zuschauer dieses Films bleibt man nicht in der Rolle des passiven Betrachters. Man wird förmlich mitgerissen vom Elan der Künstler für ihr Haus. Man leidet und hofft mit ihnen und bleibt am Ende fassungslos. Was soll aus einem Land werden, in dem die Kultur derart missachtet wird? Der Film ist eine Mahnung an alle Länder, an alle Theater, an alle Regierungen und alle Politiker. Wer die Kunst seines Landes untergehen lässt, lässt auch das Land vor die Hunde gehen.

Zu sehen am 11.5. im Dt. Theater sowie am 13., 16. und 18. Mai. Weitere Infos unter: https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/18598

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