Rattle und Barenboim geben gemeinsames Konzert

Eine Berliner Künstlerfreundschaft

Daniel Barenboim tritt als Klaviersolist in Bartoks erstem Klavierkonzert mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle auf

Von Robert Jungwirth

(Berlin, 24. Februar 2018) Simon Rattle und Daniel Barenboim – diese beiden Weltstars der Musik haben das Musikleben der deutschen Hauptstadt über Jahre, ja Jahrzehnte geprägt und nebenbei auch dazu beigetragen, Berlins Weltoffenheit und Internationalität zu unterstreichen. Wenn sich Rattles Zeit als Chef der Berliner Philharmoniker nun ihrem Ende zuneigt, ist es höchste Zeit, die außerordentlichen Verdienste dieses Musikers für das Orchester, die Stadt und natürlich die Musik zu würdigen. Rattle war – ohne alle Zweifel – das Beste, was dem Orchester in der Nachwendezeit passieren konnte. Sein offener Geist, seine Menschenfreundlichkeit, seine sprühende Begeisterung für die sogenannte klassische, aber auch die zeitgenössische Musik, sie haben diesem phantastischen Orchester in Berlin und weltweit viel Lob und Anerkennung – auch jenseits angestammter Bildungsbürgerkreise eingetragen. Man denke nur an seine Education-Projekte, mit denen Rattle und die Philharmoniker an der Spitze einer Bewegung waren, die mittlerweile von fast allen Orchestern in Deutschland übernommen und nachgeahmt wurde.

Das Gemäkel einiger Konservativer am zu wenig „deutschen Klang“ des Orchesters unter seiner Führung darf man getrost als Dummschwätzerei von chauvinistischen Wichtigtuern abtun. Rattle hat in zahllosen Konzerten den unzweifelhaften Ruf dieses herausragenden Klangkörpers immer wieder aufs Eindrucksvollste unter Beweis gestellt. Dass jeder Dirigent gewisse Repertoire-Vorlieben hat, sollte keinem ernsthaft angekreidet werden. Und Rattles Repertoire ist wahrhaft breit und vielseitig. Das wird bei Petrenko vielleicht etwas anders aussehen.

Rattles Fähigkeit, seine Musiker zu Spitzenleistungen zu animieren und dabei immer auch eine lebendige Musizierlust hörbar und spürbar werden zu lassen, haben dem Orchester und seinem Publikum zahllose Sternstunden beschert. Und wenn nun in der Abschiedssaison Rattle und Barenboim zusammen in einem Konzert der Philharmoniker auftreten, ist das ein wunderbarer Beleg für die auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung gegründete Künstlerfreundschaft dieser beiden für die Stadt so wichtigen Ausnahmemusiker und künstlerischen Aushängeschilder. So wie Barenboim immer mal wieder Konzerte der Philharmoniker dirigiert hat, so war Rattle mehrfach in der Berliner Staatsoper mit Opern zu hören. Das war eine schöne Tradition, die beide da etabliert haben.

Nun war Barenboim im jüngsten Konzert der Philharmoniker mit jenem Werk am Klavier zu hören, mit dem er einst als junger Pianist in Berlin sein Debüt gegeben hatte: Bela Bartoks erstem Klavierkonzert aus dem Jahr 1926 – uraufgeführt 1927 in Frankfurt mit Bartok am Klavier, dirigiert von keinem Geringeren als Wilhelm Furtwängler. Ein Werk voll perkussiver Leidenschaft und Expressivität. Im zweiten Satz hört man fast nur das Klavier mit Schlagwerk. Das Soloinstrument dient in diesem Werk mehr als Perkussionsinstrument denn als Melodieinstrument. Der erste Satz mit seiner hämmernden Dauermotorik und der noch flottere Schlusssatz forderten denn auch Barenboims ganze Aufmerksamkeit und ja, so völlig mühelos ist das für ihn heute sicher nicht mehr wie damals. Aber Barenboim ließ sich das natürlich nicht anmerken, und Rattle lenkte das Werk sicher durch die Untiefen der Partitur.

Als Auftakt dieses rein slawischen Programms mit Bartok, Dvorak und Janacek wählte Rattle Dvoraks Slawische Tänze op. 72 – also die zweite Staffel nach dem großen Erfolg der Tänze op.46. Rattle ließ darin die zarte Melancholie ebenso souverän aufscheinen wie den tänzerischen Charme und die brillante Schmissigkeit – alles erfreulicherweise ohne alle Oberflächlichkeiten. Und er zelebrierte geschmackvoll ausbalancierte Ritardandi.

In Janaceks berühmter Sinfonietta – eines von Rattles Lieblingsstücken, das er in Berlin zuletzt vor 10 Jahren dirigiert hat – schließlich begeisterten die Berliner – wie nicht anders zu erwarten – mit glasklarem und brillantem, dabei atmosphärisch dichtem Orchesterspiel. Und die vielfach erweiterten Trompeten der einleitenden und abschließenden Fanfare waren von gleißender Pracht – wie die goldenen Kuppeln Prags auf Hochglanz poliert.

Werbung

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.