Porträt Trio Catch

Neue Klänge für eine ungewöhnliche Besetzung

Trio Catch Foto: Trio Catch

Das junge Hamburger Trio Catch setzt sich sehr erfolgreich für zeitgenössische Musik ein. Von den wichtigsten europäischen Konzerthäusern wurde es jetzt zu „Rising Stars“ gewählt. Vor kurzem war es bei den Badenweiler Musiktagen zu Gast
Von Georg Rudiger

(Januar 2016) Tonrepetitionen im Klavier werden von heftigen Eruptionen der Klarinette begleitet. Das Cello  verstärkt mit atemlosen Trillern die Unruhe und Nervosität der Musik. Das Trio von Georges Aperghis aus dem Jahr 1996, das die Debüt-CD des Hamburger „Trio Catch“ eröffnet, ist keine leichte Kost. Auch die acht weiteren Stücke von Beat Furrer bis Mark Andre tragen experimentellen Charakter. Die drei Musikerinnen entlocken ihren Instrumenten nie gehörte Töne. Neugierde und eine gewisse musikalische Abenteuerlust prägen das „Trio Catch“, deren Mitglieder sich vor fünf Jahren bei der internationalen Akademie des Ensembles Modern in Frankfurt kennengelernt haben.

Der Name ist Programm. Die Ungarin Boglárka Pecze (Klarinette), die Schweizerin Eva Boesch (Violoncello) und die Südkoreanerin Sun-Young Nam (Klavier) möchten ihr Publikum mit ungewöhnlichen Projekten einfangen. Und die Hemmschwelle zur zeitgenössischen Musik senken. Dass die Drei so viel Neue Musik spielen, hat auch mit dem kleinen klassischen Repertoire zu tun, das es für diese Besetzung gibt. „Natürlich haben wir die bekannten Klarinettentrios von Beethoven und Brahms, die wir beide auch bei den Badenweiler Musiktagen spielen. Abgesehen davon gibt allerdings es nur noch eine Handvoll interessanter Originalliteratur von Komponisten wie Michail Glinka und Max Bruch. Aber nach 1940 wurden jede Menge toller, nahezu unbekannter Stücke geschrieben, denen wir uns mit Leidenschaft widmen“, sagt Boglárka Pecze. Obwohl das Trio erst einige Jahre besteht, kann es sich im schwierigen Klassikmarkt gut behaupten. Neben den konventionellen Veranstaltern, bei denen das Ensemble gemischte Programme präsentiert, sind die Musikerinnen auch bei renommierten Neue-Musik-Festivals wie Ultraschall in Berlin oder den Wittener Tagen für neue Kammermusik gefragt. Ein weiteres Standbein sind Vermittlungsprojekte, die das Ensemble für Kinder und Jugendliche anbietet.

Im Gegensatz zu Streichquartetten oder Klaviertrios sind feste Klarinettentrios eine Seltenheit. Drei verschiedene Instrumentenfamilien kommen hier zusammen. Als „kleines Orchester“ hat Wolfgang Rihm, von dem in Badenweiler seine Komposition „Chiffre IV“ zur Aufführung gebracht wird, solch ein Ensemble bezeichnet.  „Die Kombination dieser Instrumente hat einen großen klangfarblichen Reiz, birgt aber auch viele Schwierigkeiten“, sagt Pecze. „Die Intonation ist immer sehr heikel. Der Ton der Klarinette brauchte einen anderen Einschwingungsvorgang als der des Violoncellos. Und unsere Pianistin muss gemeinsam atmen mit uns, damit wir alles gut zusammenkriegen.“

Beim Konzert im Kurhaus Badenweiler im vergangenen November erklangen auch zwei ganz aktuelle Kompositionen, die von Schülern Wolfgang Rihms geschrieben wurden. Mit dem slowenischen Komponisten Vito Zuraj waren die Drei gemeinsam bei der Akademie des Ensemble Modern. Sein vom Trio Catch im Januar in Berlin uraufgeführtes Werk „Chrisanthemum“ passt mit seinem melancholischen Grundton gut zu dem von Klaus Lauer gewählten Motto „Herbstlied“. Márton Illés hat sein Stück für Soloklarinette „Psychogramm II. Rettegös“ für Boglárka Pecze komponiert. Hier werden Töne und Geräusche verlangt, die die Ungarin nie zuvor gespielt hat. Die Melodie ist verzerrt, kleine Triller und Tremoli beschreiben Angstzustände, denen der Komponist mit diesem Werk auf der Spur ist. „Das ist ein echter Thriller.“

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