Porträt Carl Orff

Vor 25 Jahren starb Carl Orff – ein Porträt

„Das ist nur das Holz; auf die Flamme kommt es an; ein geistiges Licht anzuzünden – das ist wichtig“, meinte Carl Orff, als er 1970 vor den Exponaten einer Ausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek München stand, die seinem Bühnenwerk gewidmet war.
Zu dieser Zeit konnte der damals 75Jährige auf ein erfolgreiches Komponistenleben zurückblicken, das zu Beginn allerdings von einer langen Phase der Suche geprägt war. Faszinierte den jungen Komponisten zunächst Claude Debussy, der ihn zu seinem ersten Bühnenwerk, dem Musikdrama Gisei (1913) anregte, wandte er sich später Arnold Schönberg zu, um sich kurz danach für Richard Strauss und Hans Pfitzner zu begeistern.
Auch für die Opern Claudio Monteverdis interessierte er sich sehr und studierte sie anhand der Autographen.
In dieser Phase des Ausprobierens traten bereits Orffs pädagogische Neigungen zutage. So gründete er 1924 im Zuge der „Neuen Tanzbewegung“ zusammen mit Dorothee Günther die Günther-Schule in München, eine Ausbildungsstätte für Gymnastik und Tanz. Dafür entwickelte Orff das Konzept einer elementaren Musik, einer Synthese aus Musik, Sprache und Bewegung. Sein Ziel war die „Regeneration der Musik von der Bewegung, vom Tanz her“. Dafür entwickelte er spezifische Instrumente, die von den Tänzern als Requisiten in ihre Bewegungen miteinbezogen werden sollten. Die Inspiration für die Stabspiele, Blas- und Schlaginstrumente holte sich Orff zum einen aus der exotischen Musik, zum anderen aus der Renaissance- und Barockmusik. Die Günther-Schule war für ihn sowohl pädagogisch als auch kompositorisch eine Experimentierwerkstatt. Seine hier gewonnen Erkenntnisse gingen 1930 in die erste Fassung seines „Schulwerks“ ein.
Karl Heinrich Maria Orff wurde am 10. Juli 1895 in München geboren. Er stammte aus einer alten bayerischen Offiziers- und Gelehrtenfamilie, die beiden Großväter waren Generalmajore, der Vater Heinrich Offizier. Orffs Kindheit war stark von Musik geprägt, da im Elternhaus regelmäßig musiziert wurde. Die Mutter Paula war Pianistin, und auch der Vater spielte Klavier sowie verschiedene Streichinstrumente. Kein Wunder also, dass Carl fünfjährig seinen ersten Klavierunterricht erhielt, zwei Jahre später mit dem Cellospiel begann und im Alter von 14 mit dem Orgelspiel begann. 1912 verließ er vorzeitig die Schule, um an der Akademie der Tonkunst in München unter anderem bei Anton Beer-Waldbrunn bis 1914 Musik zu studieren. Ab 1915 nahm er Privatunterricht bei Hermann Zilcher, der ihn 1916/1917 als Kapellmeister an die Münchner Kammerspiele vermittelte. Otto Falckenbergs Inszenierungen inspirierten Orff für die erste Fassung einer Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum. Seine Kapellmeistertätigkeit setzte Orff 1918/1919 am Nationaltheater Mannheim sowie am Hoftheater Darmstadt fort.
Ab 1919 wirkte er als freischaffender Komponist in München. In den Jahren bis 1931/1932 hielt die Phase der musikalischen Suche an. Orff wandte sich von Strauss ab und beschäftigte sich nun mit der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Gleichzeitig unterrichtete er. Zu seinen ersten Schülern zählten Werner Egk und Heinrich Sutermeister, selbst bildete er sich bei Heinrich Kaminski fort. Als Dirigent des Münchner Bachvereins experimentierte Orff Anfang der 1930er Jahre mit konzertanten und szenischen Aufführungen Alter Musik.
Kompositionen aus dieser Zeit sind u.a. das Werkbuch I mit Kantaten nach Texten von Franz Werfel und das Werkbuch II mit Chorsätzen nach Texten von Bert Brecht.
Mit der im Sommer 1937 in Frankfurt uraufgeführten szenischen Kantate Carmina Burana, durch die Orff seinen künstlerischen Durchbruch schaffte, fand er endgültig seinen eigenen „Orff-Stil“. Die Carmina Burana waren jedoch nicht nur das Schlüsselwerk für Orffs künstlerische Persönlichkeit, sie brachten ihm auch weltweit Erfolg ein.
1950 bis 1960 leitete Orff eine Meisterklasse für Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Auch seiner pädagogischen Arbeit wurde vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. So begannen 1948 die ersten Schulwerk-Sendungen im Bayerischen Rundfunk und zusammen mit Gunild Keetman publizierte Orff 1950 bis 1954 die fünfbändige Schulwerk-Neuausgabe Musik für Kinder, die in siebzehn Sprachen internationale Verbreitung fand.
Daneben arbeitete der Komponist intensiv an neuen Bühnenwerken. 1947 brachte er Die Bernauerin in Stuttgart zur Uraufführung, in den folgenden Jahren u.a. Trionfo di Afrodite und damit die gesamten Trionfi 1953 in Mailand, im gleichen Jahr Astutuli in München sowie 1956 ebenfalls in München Comoedia de Christi Ressurectione. Orff selbst sah als seine Hauptwerke die drei griechischen Tragödien Antigonae (1949), Oedipus der Tyrann (1959) und Prometheus (1968) an. Sein letztes Bühnenwerk De temporum fine comoedia wurde bei den Salzburger Festspielen 1973 uraufgeführt. Danach arbeitete Orff bis kurz vor seinem Tod an der achtbändigen Dokumentation Carl Orff und sein Werk. Am 29. März 1982 starb er in München, beigesetzt wurde er am 3. April in der Kapelle der Klosterkirche Andechs.
A. Lowack
einige Veranstaltungen im Orff-Jahr:
Orff-Zentrum München:
Donnerstag, 19. April 2007, 20 Uhr
Filmvorführung
Carl Orff: Astutuli. Eine Lesung
Filmaufnahme der Lesung von Carl Orff, produziert vom Bayerischen Rundfunk 1975/76
Einführung: Dr. Thomas Rösch
Filmvorführung im Veranstaltungssaal des Orff-Zentrums München
Kaulbachstraße 16
Eintritt frei
Um Voranmeldung wird gebeten
Telefon (089) 28 81 05-0
Fax (089) 28 81 05-33
„>kontakt@orff-zentrum.de
Donnerstag, 3. Mai 2007, 20 Uhr
Projektvorstellung, Videoausschnitte und Podiumsgespräch zum Schulwerk von Carl Orff
ReSonanz & AkzepTanz
Ein Projekt der Philharmonie Essen und der Herbartschule Essen – Katernberg in Kooperation mit dem Orff-Institut der Universität Mozarteum Salzburg
Projektvorstellung, Videoausschnitte und Podiumsgespräch im Veranstaltungssaal des Orff-Zentrums München
Kaulbachstraße 16 (U3/U6 Universität)
Eintritt: Euro 10,00
ermäßigt: Euro 5,00 (für Schüler, Studenten und Rentner)
Abendkasse eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung
Um Voranmeldung wird gebeten
Telefon (089) 28 81 05-0
Fax (089) 28 81 05-33

Münchner Philharmoniker