Pluhar Orfeo

CD der Woche

Orfeo Chamán, L’Arpeggiata: Christina Pluhar (Erato 9190295969691)
Am 2010 eröffneten Teatro Mayor in Bogotà plante man eine repräsentative Opernproduktion und dachte dabei an Monteverdis „Orfeo“ und gleichzeitig an Christina Pluhar mit ihrem Ensemble l’Arpeggiata. Doch schon bald kam die Idee auf, den Stoff neu zu konzipieren. Der mythologische Background sollte bleiben, aber ergänzt werden um die Figur von Orpheus‘ Halbbruder Aristeo, der die von ihm ebenfalls geliebte Euridice bei ihrer Hochzeit zu vergewaltigen versucht, wobei diese bei der Flucht den Tod findet. Diese Vorgänge haben die Autoren mit Ideen und Ritualen aus dem Schamanentum angereichert.
Für die neue Partitur arrangierte Christina Pluhar passende Stücke aus dem Barockzeitalter, komponierte teilweise Nummern neu. „Historisierend“ freilich gemäß ihrer unakademischen Auffassung, welche nicht zuletzt der Improvisation ausgiebigen Platz einräumt. „Wer beansprucht authentisch zu sein, befindet sich auf dem falschen Dampfer“ sagte sie einmal. Dass Christina Pluhars Klangwelten auch Einflüsse von Blues und Jazz verarbeiten, kennzeichnet die für sie typische stilistische Bandbreite, wie sie beispielsweise auch ihre Erfolgs-CD „Teatro d’amore“ prägt.
Die vorliegende Edition hält die bildmächtige Aufführung aus Bogotá auf DVD fest (131 Minuten – Ausschnitte auch auf Youtube), die Audio-CD (70 Minuten) besteht alleine aus den Musiknummern, was bei der opernuntypischen Musik indes nicht als Nachteil wirkt. L’Arpeggiata bietet perfektes Ensemblespiel. In der Titelrolle erlebt man den jungen, von Geburt an blinden Kolumbianer Nahuel Pennisi, dessen Gesang wahrhaft „in die Tiefe des Herzens“ dringt.
Christoph Zimmermann
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