Pinchas Zukerman

Überirdisch

Pinchas Zukerman Foto: Paul Labelle

Pinchas Zukerman und das Kammerorchester des BR-Symphonieorchesters mit Mozart und Haydn

(München, 30. Oktober 2011) Pinchas Zukermans München-Debüt im April 1969 war eine Sensation. Für den kurzfristig erkrankten Nathan Milstein eingesprungen, interpretierte Zukerman gemeinsam mit Rafael Kubelik und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Tschaikowskys Violinkonzert. Der Erfolg war so durchschlagend, dass sich "Großkritiker" Joachim Kaiser zu einem Vergleich mit dem legendären David Oistrach genötigt sah: Zukerman habe gespielt "mit einer Süße des Tones und einer noblen, ruhigen Beseeltheit des Ausdrucks, wie man es schöner und interessanter selbst von dem russischen Meistergeiger" noch nicht gehört habe. Das Konzert war der Startschuss für eine große Karriere, die Zukerman in den letzten Jahren allerdings nicht allzu oft nach München geführt hat. In dieser Saison ändert sich das nun. Gleich dreimal verschlägt es ihn in die Isarmetropole, für Konzerte mit Zubin Mehta und dem Staatsorchester, für einen Kammermusikabend und – worüber hier zu berichten ist – für eine Mozart-Haydn-Matinee mit dem Kammerorchester des BR-Symphonieorchesters.

Um es gleich vorwegnehmen: Zukermans Ton hat nichts von seiner Süße und noblen Beseeltheit verloren. So voll und wohlklingend entströmt er Zukermans Geige, dass man sich zunächst sogar ein wenig daran gewöhnen muss, bei Mozart und Haydn so üppig bedient zu werden. Historisch korrekt ist das gewiss nicht. Aber wen kümmert das schon – Zukerman jedenfalls nicht. Er scheint sich überhaupt wenig zu scheren um all das, was traditionellerweise mit dem Konzertbetrieb verbunden ist. Auf das Sakko verzichtet er und erscheint lieber im flatternden Hemd, zwischen den Stücken macht er Spasseteln mit Konzertmeister Radoslaw Szulc und das ihm vom Konzertveranstalter zugedachte Blumengebinde reicht er an eine Dame in der ersten (Zuschauer-)Reihe weiter.

Zukerman interessiert sich nicht für Rituale, sondern nur für die Musik. Und so wird dieser Vormittag im ausverkauften Münchner Prinzregententheater zu einem Fest des fröhlich-intuitiven Musizierens. Mozarts Adagio und Rondo für Geige und Orchester und Haydns C-Dur Violinkonzert erklingen in all ihrer apollinischen Schönheit. Ohne Schmalz und doch mit genau der richtigen Süße entfalten sich die Kantilenen und dort, wo eine Prise rhythmischer Zuspitzung gut tun könnte, würzt Zukerman wohl dosiert nach. In großer Übereinstimmung befindet er sich dabei mit den Musikern des BR-Kammerorchesters, die ihm beschwingt folgen. Dass es als Zugabe nichts Neues gab, sondern lediglich eine Wiederholung des Adagios aus Haydns Violinkonzert, sah man Zukerman gerne nach, so überirdisch schön sang seine Geige über den Streicher-Pizzicatti.

Im zweiten Teil des Vormittags nahmen sich die BR-Musiker mit dem Divertimento Nr. 15 eines selten gespielten Mozart-Werks an. "2. Lodronische Nachtmusik" heißt dieses Stück mit Beinamen und steht der berühmteren "Kleinen Nachtmusik" hinsichtlich der melodischen Erfindungskraft kaum nach. Dass es auch technisch nicht ganz ohne ist, zeigten ein paar intonatorische Ungenauigkeiten den ersten Geigen in hoher Lage. Gleichwohl: Der Witz des Variationensatzes, das unvermutete Drama der Andante-Einleitung zum Finale und die Spritzigkeit des abschließenden Molto Allegro gelangen überzeugend. 

Markus Schäfert

Am 12./13. Dezember spielt Pinchas Zukerman gemeinsam mit Zubin Mehta und dem Bayerischen Staatsorchester im Nationaltheater Mozarts Violinkonzert Nr. 3.

Am 18. März 2012 interpretiert er gemeinsam mit den Zukerman Chamber Players Schumann und Schubert im Prinzregententheater.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.