piano possibile

Klangskulpturen

Das Münchner Ensemble piano possibile macht Lust auf Neue Musik
(München, 18. Januar 2008) Während sich die Alte-Musik-Bewegung in München in den vergangenen zehn Jahren nun endlich eine gewisse Bedeutung und Wertschätzung erspielt hat – sei es durch die Händel-Produktionen an der Staatsoper, sei es durch die Konzerte von hier beheimateten Musikern wie der Gambistin Friederike Heumann oder dem Pianisten und Dirigenten Christoph Hammer, bleiben die Konzert mit Neuer Musik weitgehend auf die großen, herausgehobenen Veranstaltungen wie musica viva oder Musiktheater-Biennale beschränkt. Doch es gibt Ausnahmen, wie das hoch engagierte Neue-Musik-Ensemble piano possibile, das vor 15 Jahren von Musikern aus München gegründet wurde, und sich seitdem als kleine, aber feine Truppe für Neutönerisches etablieren konnte. Vor kurzem bekam das Ensemble den Kunstpreis des Landes Bayern – eine verdiente Auszeichnung und vielleicht die Chance, die Nische des Nischendaseins etwas zu vergrößern.
Mit seinem jüngsten Konzert im Münchner i-camp-Theater jedenfalls bot piano possibile ein ebenso originell zusammengestelltes wie bravouröse musiziertes Programm von Iannis Xenakis bis Klaus Schedl, in dem neben extravaganten Klangtüfteleien auch das Lustprinzip eine erfreulich große Rolle spielte. Carola Baukholt – sie wird bei der diesjährigen Münchner Biennale mit einer neuen Oper vertreten sein – führt in „Treibstoff“ von 1995 ein fein ausgehörtes, am Geräuschhaften orientiertes Spiel mit klanglichen Imaginationen vor, während die Lesson III. aus dem Zyklus „Professor Bad Trip“ des so früh verstorbenen Fausto Romitelli (1963-2004) ein weiteres Beispiel für die faszinierende Fähigkeit dieses Komponisten darstellt, mit Klängen skulptural, ja architektonisch zu arbeiten. „Im Zentrum meines Komponierens“, meinte Romitelli, „steht die Idee, einen Klang wie eine Materie zu empfinden, in die man hineintaucht, um deren physische und perzeptive Merkmale wie Gefüge, Stärke, Porosität, Helligkeit, Dichte und Elastizität zu schmieden. Und immer größere Bedeutung kommt den Klangfüllen nicht akademischer Ableitung, dem nicht sauberen und heftigen Klang überwiegend metallischen Ursprungs einer bestimmten Rock- und Technomusik zu.“ Der bei Gérard Grisey ausgebildete Komponist wies mit seinen Stücken in eine Richtung, die er nicht lange gehen konnte.
Verbindungslinien zu Jazz- und Rockmusik ziehen auch die Komponisten Bernhard Lang und Klaus Schedl, wobei Lang in „Watchtower“ und „Burning Sister“ mehr mit minimalistischen Reihungen, Schedl in „Fleur“ mehr mit – wenn man so will – chaotischen Verläufen arbeitet und sich dabei an Hardrock-Eindrücken abarbeitet – eine haptische Musik von eigenwilliger Mehrdimensionalität. E-Gitarre und Schlagzeug sind zwar obligatorisch, erhalten in diesem Kontext aber eine ganz eigene Wirkung und klangliche Bedeutung.
Das Ensemble piano possibile – das in unterschiedlichen Besetzungen agierte, bishin zu einem Dutzend Musiker(innen) – beeindruckte durch ein hochkonzentriertes und energiegeladenes Spiel. Schade, dass es nur eine Aufführung dieses Programms in München gab.
Robert Jungwirth

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