Philis und Grubinger

Schlagzeug ohne Grenzen

Martin Grubinger. Bild: Chr. Schneider

Die Münchner Philharmoniker haben in der Philharmonie im Gasteig den Schlagzeug-Virtuosen Martin Grubinger zu Gast.
(München, 25. Januar 2008). An die sechs Milliarden Menschen gibt es derzeit auf der Erde – und nur einen Martin Grubinger. Da sieht man einmal, wie rar das Talent auf Erden tatsächlich gesät ist. Der Oberösterreicher Grubinger ist, mit seinen Mitte zwanzig, der aufsehenerregendste Schlagzeuger der Klassik-Szene – der Michael Schumacher unter den Schlagzeugern. Andere bedienen ihr Klanggefährt auch sehr gut. Er macht es besser.

Noch mehr als bei seinen Pop-Kollegen bedeutet das Schwerstarbeit. Grubinger muss alles bedienen und betätigen können, was weltweit als Schlaginstrument existiert. Von der Trommel über Tempelblocks, Röhren, Vibra- und Marimbaphon, Glöckchen und Glocken bis zu Gongs aller Größen muss er aus allem nicht nur Geräusch, sondern raffinierte Klänge herausholen – besser: herauskitzlen, streicheln, kratzen, klopfen, schlagen… Welcher andere Musiker muss auf seinem Gebiet so vielseitig sein wie der Schlagzeuger? Grubinger kann das alles, und mit welcher Virtuosität er das vollbringt, mit welcher Genauigkeit und körperlicher Geschmeidigkeit dabei, mit welchem Tempo und mit welcher Treffsicherheit, das macht ihn zum Star. 

Was er beim jüngsten Abonnementskonzert der Münchner Philharmoniker mit Leichtigkeit bewies.  Statt der vor längerem angekündigten Komposition „Veni, Veni Emmanuel“ von James MacMillan gab es nun „Frozen in Time“ des israelischen Komponisten Avner Dorman zu hören – ein von Grubinger angeregtes Konzert für Schlagzeug und großes Orchester in drei Sätzen. Jeder Satz ist einem anderen Kontinent gewidmet und gibt dessen eigentümliche Rhythmik und Harmonik wieder. Der schnelle erste gilt „Indoafrica“, der zweite, langsamere „Eurasia“ und der dritte, wieder schnell, „The Americas“. Grubinger hat dabei eine Batterie von Trommeln und Glocken sowie ein Marimba- und Vibraphon zu bedienen. Der junge schlanke Blondschopf düst zwischen den Instrumenten umher, als gäbe es keine Schwerkraft. Mit vollem Einsatz führt er seine Schlägel zur Attacke und scheint auch im schnellsten Wirbel nie daneben zu treffen. Da kann das Schlagwerk mühelos jenes Eigenleben entwickeln, das es gegen das große Orchester entwickeln muss.
Grubinger war der Solist der Uraufführung im vergangenen Dezember in Hamburg. Auf seine Initiative geht „Frozen in Time“ auch zurück, denn der Schlagzeuger will Material in die Hände bekommen, das auf der Höhe der Zeit ist. Die „klassische“ Dreiteilung des Werkes enttäuscht den Anspruch ans Zeitgenössische keinesfalls: Es erfreut eher die Tatsache, dass hier die vertraute Konzertform mit aktuellem, vitalen Material erfüllt wird, das nicht nur den Solisten auf Trab hält, sondern auch das Orchester gut versorgt. Es ist ein gelungenes Stück, weil es mit dem Kopf fest in den Wolken, mit den Füßen aber fest in der Erde verankert ist.
Das Orchester wurde übrigens von dem jungen slowakischen Dirigenten Jurai Valcuha geleitet, der für Jonathan Nott eingesprungen ist. Valcuha nutzte die Gunst der Stunde, sich als Entdeckung zu präsentieren, die man gerne wieder erleben möchte. Mozarts Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ leitete er zu Beginn mit Elan, zupackend, aber mit wachem Sinn fürs Detail. In Maurice Ravels Tondichtung und Ballettmusik „Daphnis et Chloé“ hingegen ließen Valcuha und das Orchester in satten Farben leuchten. Das Orchester zeigte sich jedenfalls in Hochform und gab den Münchner Zuhörern allen Anlass, stolz auf das Orchester der Stadt zu sein.
Laszlo Molnar
Weitere Konzerte heute, Freitag, 20 Uhr und morgen, Samstag, 26. Januar, 19 Uhr in der Philharmonie im Gasteig. Info und Karten unter www.mphil.de

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