Paulus Mendelssohn

Mendelssohn in kraftvollem Licht

In seinem ersten Abonnementskonzert im Jahr 2007 präsentierte der Chor des Bayerischen Rundfunks zusammen mit dem Symphonieorchester des BR unter der Leitung seines Chefdirigenten Peter Dijkstra im Prinzregentheater am Samstag, dem 17. Februar, Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Paulus“. „Paulus“ ist das erste der beiden Oratorien Mendelssohns. Er arbeitete fünf Jahre lang an diesem Auftragswerk des Frankfurter Cäcilien-Vereins, von 1832 bis 1836. Sein zweites Oratorium, „Elias“, schrieb Mendelssohn 1846.
In beiden Werken verfolgte er das Ziel, Kompositionen im Geist von Bach und Händel zu schreiben. Wie seine Vorbilder, hält er sich an die biblische Vorlage und breitet seine Erzählung in Chören, Chorälen, Arien und Rezitativen für den Erzählertext aus. „Paulus“ umfasst 45 Nummern in zwei Teilen. Der Rundfunkchor, „begleitet“ vom Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, gab den Chorsätzen ein wuchtiges, energiegeladenes Klangbild, das dabei vollkommen durchhörbar und auch feingliedrig blieb. Das ist kerniger, „deutscher“ als die weichen Klänge der schwedischen Chöre oder des Wiener Arnold Schönberg-Chores, hält aber auch deutlichen Abstand zu den Druckwellen, die Opernchöre erzeugen. Solche Kultur ist nur durch regelmäßige und hauptamtliche Arbeit zu erreichen.
Mit dieser Aufführung hat Dijkstra zudem gezeigt, dass er sowohl die Absicht als auch die Fähigkeiten hat, den Chor des Bayerischen Rundfunks als einen der führenden Konzertchöre weit und breit zu erhalten. Er hat aber auch bewiesen, dass er Willens ist, ein „allgemeiner“ Dirigent von Rang zu sein. Fast schien es, als sei er eigentlich Orchesterdirigent und als hätte er einen hervorragend einstudierten Chor dazu gehabt. Dem Orchester entlockte er die für Mendelssohn erwünschte Mischung von romantischer Dichte und Verschattung einerseits sowie Klarheit im Geiste Bachs, Händels und auch Mozarts. Hier schwang alles mit: Mendelssohns Respekt vor dem Kontrapunkt und dem Erbe der Vorfahren wie seine Freude an den neuen Klangfarben des frühromantischen Orchesters.
Das alles erreichte Dijkstra mit einem „modernen“ Orchester – ein Beleg mehr, dass der junge Niederländer bestens befähigt ist, seine klaren musikalischen Absichten den Musikern überzeugend mitzuteilen. Sollte Dijkstra die Absicht gehabt haben, sich dem Publikum als kenntnisreicher und phantasievoller Orchesterleiter zu empfehlen, dann ist ihm das an diesem Abend rundum gelungen.  Das Solistentrio mit Susanne Bernhard, Sopran, Christian Elsner Tenor und Ralf Lukas, Bass, hätte auch jeder konzertanten Opernaufführung Ehre gemacht. Starke, kraftvolle Stimmen, bewusst zu präziser Artikulation geführt – das ist es, was ein Oratorium braucht, um bei den Zuhörern Herz und Hirn gleichermaßen zu erreichen.
László Molnár

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.