Orff-Zentrum Hamel

Gedankensplitter

Das Berlin Trio mit Uraufführungen von Lazarof und Hamel sowie einem Trio von Schubert im Münchner Orff-Zentrum
(München, 3. November 2011) Immer wieder erfreulich sind die Anstrengungen des Münchner Carl-Orff-Zentrum, in seinen schönen Räumen in der Kaulbachstraße nicht nur der Wissenschaft zu frönen, sondern auch Musik erklingen zu lassen. Dabei wird keineswegs nur dem Hausgott gehuldigt, vielmehr hat Altes und Neues seinen Platz. Den Auftakt in dieser Saison machte das Berlin Trio, das zwei Uraufführungen mit späten Schubert-Trios konfrontierte.
Das erste Werk "Pour mes amis" des 1932 geborenen, bulgarischen Komponisten Henri Lazarof wirkte wie ein Gelegenheitsstück und war vorbei, ehe es richtig begonnen hatte. Außer der Klavierlastigkeit des kurzen und irgendwie unfertig wirkenden Stückes, blieb eigentlich nichts haften. Dagegen setzte sich der in Hamburg lehrende Münchner Peter Michael Hamel mit seinem "Abgesang" schon besser in Szene. Er ließ in seinen Gedankensplittern alle drei Instrumente zu Wort kommen, führte sie von fast stehenden Klängen in unruhige Bewegung, in ein zuweilen repetitives Gemurmel und nutzte zuletzt das präparierte Klavier mit dumpfen, quasi nachhalllosen Klängen.
Den drei Musik-Professoren des Berlin Trios – Christiane Edinger, Violine, Lluis Claret, Cello, und Klaus Hellwig, Klavier, – mangelte es nicht an Temperament und Engagement. Dennoch blieb der Eindruck vor allem bei den beiden Hauptwerken des Abends – Schuberts Klaviertrio B-Dur op. 99 und dem zuvor entstandenen Es-Dur-Trio op. 100 – zwiespältig. Nicht nur der trockene, so wenig nuancierte Klavierton (sicher auch dem Instrument anzulasten) irritierte, auch die nicht untadelige Intonation der Geige störte. Spieltechnisch und stilistisch klang dieser Schubert seltsam "old-fashioned", drauflos musiziert und wenig hinterfragt. Vielleicht hätte ein junges, von den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis nicht unberührtes Trio in Sachen Schubert mehr zu sagen gehabt und mutiger in die Tiefe gelotet. Das Professoren-Trio tat es jedenfalls nicht, wurde aber dennoch freundlich beklatscht.
Gabriele Luster

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