Oper gegen rechts: Stauds Weiden in Wien uraufgeführt

Karpfen lau

 Johannes Maria Stauds neue Oper „Die Weiden“ enttäuscht bei der Uraufführung an der Wiener Staatsoper?

 

Von Derek Weber

(Wien, 11. Dezember 2018) Endlich gibt es einmal wieder eine Uraufführung an der Wiener Staatsoper… So müsste wohl eine Premierenkritik von „Die Weiden“, der neuen Oper von Johannes Maria Staud (Musik) und Durs Grünbein (Libretto) beginnen. Berichten ließe sich darüber hinaus von einem etwas barocken Untertitel “Oper in sechs Bildern, vier Passagen, einem Prolog, einem Vorspiel und einem Zwischenspiel“ und dass sich das Werk auf eine Kombination mehrerer englisch-sprachiger Vorlagen stützt, unter anderem auf ein Gedicht von T.S. Eliot. Die Orchesterbesetzung ist ziemlich groß und wartet mit einer imponierend langen Instrumentenliste auf, die sich auf viel Schlagzeug stützt. Doch werden die Instrumente sparsam – um nicht zu sagen „kammermusikalisch“- eingesetzt. Auch eine dezent agierende Jazzcombo ist mit dabei, dazu Bühnenmusik und Live-Elektronik.

Kein Zweifel: Der Komponist versteht sein Handwerk. Nie wird des Guten zu viel getönt, der Klang bleibt stets schlank (und spätpostmodern, unter Verwendung aller nur erdenklichen Stilelemente bis hin zum Geräuschhaften oder im Konversationston Gesprochenen. Zitiert wird kräftig aus der Tradition (bis hin zum Wagnerhaften) und aus einer partymäßig angereicherten Gegenwart.
Ingo Metzmacher lässt das am Pult des Staatsopernorchesters subtil-klar werden. Es tönt einfach dahin; musikalischer Tiefgang ist in der Musik Stauds nicht angestrebt. Das Musikalische zieht hier nichts hinan, schon gar nicht den Text des Librettos, der sich bis hin zu Dadaismen versteigt.

Das Musikalische markiert die Butterseite der „Weiden“-Oper. Schlimm aber ist es um den vor Banalitäten und pseudo-philosophischen Ergüssen strotzenden Text bestellt, der auch von der Regie nicht auf lichtere Ebenen transponiert wird. Die Regie vertraut, wie heute üblich, auf eine Plethora von Video-Elementen, zu denen ein hoch in den Bühnenlüften fahrendes Kanu kommt. Es wurde vom Publikum mit kuriosem Lachen quittiert.

Es geht also nicht nur musikalisch „hoch“ her. Dass der szenische Ertrag gering bleibt, liegt auch an der etwas einfältigen Grundgeschichte: einer katastrophal endenden „Expedition den Großen Strom hinab“, die Kanureise eines frisch verliebten Paares – Lea und Peter –auf der Donau, die zugleich eine Reise in die jüdische Vergangenheit der Shoa ist. Aber das gehört schon fast zu einer Rahmenhandlung, welche die Gegenwart als Wiederkehr der Vergangenheit spiegelt. Aber bevor sich das Schlimme zur Wiederholung der alten historischen Katastrophe auswachsen kann, tritt die Natur auf: Eine fürchterliche Flut schwemmt alles hinweg.

Bevor es so weit ist, werden alle möglichen Klischees bemüht, bis hin zu schießwütigen rechtsradikalen Jägern und Agitatoren, Fremdenfeindlingen und einer ganze Batterie willfähriger Mitläufer im Karpfengewand, einer aufgeregten Live-Reporterin, besorgten Eltern.
Anrührend wird das nie, verharrt immer an der Oberfläche. Der Schlussapplaus (mit eingestreuten Buhs) bleibt dementsprechend höflich. Oper gegen rechts war angekündigt. Daraus wurde nichts. Das Haus am Ring wollte ein politisches Statement abgeben. Das ist nun wohl aus allerlei Gründen fürs Erste verschoben. Auf der Habenseite zu verbuchen sind der Dirigent, gute Sänger- und Schauspielerleistungen (Udo Samel als populistischer Intellektueller) und – wenn man so will – der gute Wille, ein aktuelles Thema auf die Bühne zu stellen.

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