Oper – aber wie!?

Wie man kein Buch über die Oper schreibt

Das Buch „Oper- aber wie!?“ ist eine recht lieblose Aneinanderreihung von Interviews mit Sängern, Dirigenten, Regisseuren und Komponisten – dabei geht es nicht einmal immer um Oper
Von Robert Jungwirth

Natürlich ist die Oper eine eigentümliche Kunstform. Warum müssen sich Menschen stundenlang ansingen, wenn sie auch reden können? Und dann versteht man oft noch nicht einmal, was da gesungen wird. Aber dann entsteht durch die Verbindung von Handlung, Gesang und Musik – wenn alles passt – ein Kunstwerk von unvergleichlicher, ja manchmal magischer Faszinationskraft. Das Buch „Oper- aber wie!?“ von Richard Lorber widmet sich dieser eigentümlichen Kunstgattung in Form von Interviews mit  Sängern, Regisseuren, Komponisten und Dirigenten.

Wer glaubt, der Autor würde aus diesen Texten dem Titel entsprechend eine klug aufbereitete Bestandsaufnahme zeitgenössischer Opernkunst zusammenstellen, der wird arg enttäuscht. Lorber hat seine 16 Interviews, die im Lauf seiner Arbeit als Opernredakteur beim WDR entstanden sind, einfach kommentarlos aneinandergereiht und sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, sie thematisch aufeinander abzustimmen. Im Gegenteil, die Reihenfolge ist die sinnfreieste, die es gibt, nämlich eine alphabetische nach den Namen der Interviewpartner. Das ist dann doch ein wenig dürftig für einen erfahrenen Fachjournalisten, der sich jahrzehntelang mit der Oper und ihren Protagonisten beschäftigt hat. Ebenso dürftig ist es für den Verlag, von dem man anderes gewohnt ist. Es bleibt also dem geneigten Leser überlassen, aus den Interviews übergreifende höhere Einsichten über die Oper an sich zu destillieren, wenn man von ein paar Hinweisen im Vorwort des Buchs absieht.
Das heißt nicht, dass die Interviews mit Operngrößen wie Nikolaus Harnoncourt, Achim Freyer, Christian Thielemann, Jonas Kaufmann oder Cecilia Bartoli für sich genommen nicht interessant wären. Auch stellt Lorber durchaus kundige Fragen. Nur merkt man, dass diese Fragen für einen anderen Zweck als den des Buchs gestellt wurden.

Nur wenig etwa erfährt man von Wolfgang Rihm und Aribert Reimann, immerhin zwei der bedeutendsten zeitgenössischen Opernkomponisten, über das, was moderne Oper auszeichnet, welche konzeptuellen, theatralen und ästhetischen Ideen sich damit verbinden lassen. Die Gespräche kreisen dagegen vor allem um konkrete musikalische Fragen. Ähnlich steht es mit den Sängerinterviews, beispielsweise mit Christian Gerhaher oder Jonas Kaufmann, in denen es vor allem um stimmliche Belange geht. Im Grunde ist der Titel des Buchs ein  Etikettenschwindel, denn es geht nicht um Oper a sich, sondern um einzelne Personen und ihre Kunst.
Am meisten über die Kunstform Oper erfährt man in den Gesprächen mit den Regisseuren Christoph Loy und Achim Freyer. „Genau das soll Theater bewirken, dass wir uns nahekommen, dass wir uns spiegeln in einer Weise des Denkens“, fordert der große alte Theaterzauberer und gewesene Brecht-Schüler Freyer. Er hätte dem Autor gewiss auch sagen können, wie man ein besseres Buch über Oper macht…

Richard Lorber: „Oper – aber wie!?“. Bärenreiter/Metzler Verlag. 266 Seiten, 24,95 Euro

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