Nicolaj Znaider

Mit der Guarneri Kreislers

Nicolaj Znaider Foto: George Lange

Nikolaj Znaider spielt bei seinem ersten Münchner Duo-Abend Beethoven, Schumann und Brahms
(München 18. November 2007) Durch eine plötzliche Erkrankung Frank Peter Zimmermanns kamen die Fans von Nikolaj Znaider in den Genuss einer wunderbar gelösten Matinee mit Beethovens Violinsonaten op. 30/3 und op. 96 sowie der großen d-moll-Sonate von Robert Schumann. Das alles gekrönt von drei ungarischen Tänzen aus der Feder von Johannes Brahms. Hier war der 32-jährige Geiger derart locker, heiter gelöst und souverän, dass man glaubte, ihn mit Salonmusik in einem Wiener Kaffeehaus zu hören.
Der berühmte Fritz Kreisler ließ grüßen, der sich selbst wunderbare Encores komponierte und dessen Guarneri-Geige von 1741 Znaider spielt!
Auch die beiden Beethoven-Sonaten in G-Dur atmeten bei allem Ernst diese Leichtigkeit, gepaart mit einer unbändigen Spiellust, die in den Finali dazu führte, dass Znaider – und Robert Kulek am Flügel – ein Tempo fast an der Grenze der Spielbarkeit anschlugen. Der ebenso kernige wie warme Ton Znaiders beglückte ebenso wie die uneitle Entfaltung der musikalischen Zusammenhänge: Während 1802 Beethoven die Kontraste zwischen Kantabilität und Furioso – wie seine Interpreten – ausreizte, nahmen zehn Jahre später in seiner letzter Violinsonate Kontemplation und Reflexion einen weitaus größeren Raum ein. Dem wurden die beiden Musiker in jedem Takt gerecht und fanden vor allem im langsamen Satz zu einer wunderbaren Expression ohne allen unnötigen Nachdruck.
Zwischen diesen beiden Beethoven-Sonaten widmete sich das Duo Znaider/Kulek nicht nur mit Verve dem Brahms‘schen Scherzo aus der sogenannten F.A.E-Sonate (einer Kollektiv-Komposition, deren zweiten und vierten Satz Schumann beitrug!), sondern die beiden vertieften sich auch in die einen Tag nach der F.A.E-Sonate uraufgeführte große Schumann-Sonate op. 121: Welch‘ eine Trauer und Innerlichkeit entdeckte Znaider hier in fast allen Sätzen!
Am 10. Februar 2008 spielt und dirigiert der in Dänemark geborene Geiger polnisch-israelischer Abstammung ein reines Mozart-Programm mit dem Kammerorchester des BR im Prinzregententheater (11 Uhr). Neben Adagio und Fuge c-moll und der Kassation KV 63 stehen das Rondo KV 374 und das Violinkonzert KV 219 auf dem Programm.
Klaus Kalchschmid

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