Musikfilme

Musikfilme beim 22. Internationalen Dokumentarfilmfestival in München (2.-10. Mai)

Eine Auswahl:
KNOWLEDGE IS THE BEGINNING – Dokumentarfilm über das West-Eastern Divan Orchestra von Daniel Barenboim und Edward Said (4. und 6. Mai)
Deutschland 2006
Regie: Paul Smaczny
Originalfassung: Hebräisch, Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Eine Sensation ist, wenn sich ein syrischer und ein israelischer Jugendlicher in einem Orchester ein Notenpult teilen und außerdem noch ägyptische, palästinensische, jordanische und libanesische Jugendliche mitspielen. Das spektakuläre Experiment heißt West-Eastern Divan Orchestra, gegründet 1999 von Daniel Barenboim und Edward Said. Begeistert beobachten die Initiatoren, wie schnell Vorurteile und Berührungsängste verschwinden können. Mit der subversiven Kraft der Musik Brücken bauen heißt die Devise: „Das Unmögliche ist viel leichter zu erreichen als das Schwierige“, sagt Barenboim. Sein Mut und seine Fähigkeit zum Mitgefühl reissen mit. Das Können der jungen Musiker ist enorm. Proben, Reisen, Konzerte, Freizeit, Konflikte, Erkenntnisprozesse – sechs Jahre lang beobachtete der Emmy-prämierte Film die Stationen von Weimar über Sevilla bis zum triumphalen Konzert in Ramallah im August 2005.
HEIMATKLÄNGE (2. und 10. Mai)
Switzerland 2007
Regie: Stefan Schwietert
Originalfassung: Schweizerdeutsch
Untertitel: Englisch
Sie ist das ursprünglichste aller Instrumente: die Stimme. Die drei Schweizer Vokalartisten Stefan Schwietert, bekannt geworden mit seinem Klezmer-Film A Tickle in the Heart, begleitet die innovativen Stimmkünstler, spürt ihrem Nonkonformismus nach und führt zu den Quellen ihrer Inspiration. Himmel und Wolken, Felsen und Flüsse, Töne ohne Worte, Zwiegespräche mit der Natur, Anklänge an Blues, Jazz oder Folk: vor dem Hintergrund trutziger Alp- und moderner Großstadtlandschaften entführt Heimatklänge in wundersame Vokalwelten.
„… Wäre er in der Wüste geboren, im flachen Land, würde er vermutlich ganz anders singen“, sagt der Baseler Stimmkünstler Christian Zehnder, den Schwietert begleitet, mit Mikrofon und Kamera, auf der Reise seiner Gedanken, zu seinen musikalischen Wurzeln. In die Einsamkeit der Berge. Zu den Appenzeller Jodlern. In ein einfaches Wirtshaus, wo gebeugte, alte Männer um den Tisch sitzen, und plötzlich singen sie: nur Töne ohne Worte, so ergreifend, so schön, dass die Zuhörer ganz still werden. Das ist keine platte Touristenfolklore. Das ist echtes Gefühl, wahre Kunst. Vielleicht kommt das aus der Religion, mutmaßt Zehnder, dieses diszipliniert Meditative. Zehnder schöpft aus dieser Tradition der Schweizer Jodler, und entwickelt sie weiter zu seinem eigenen unerhörten Jazz, der zu Alphornbegleitung Heimatklänge mischt mit Scat- und mongolischem Obertongesang. Aus direkter Linie der Appenzeller Jodlertradition erwachsen ist Noldi Alder, der schon in seiner Jugend mit der Volksmusikgruppe Alder Buebe weltweit Beachtung gefunden hatte. Nachdem ihm die Trachtenuniform zu eng geworden war, suchte er nach neuen Ausdrucksformen, in denen er die familiären musikalischen Wurzeln auf berauschende Art mit experimenteller Moderne zusammenführte.
HARDCORE CHAMBERMUSIC (4. und 9. Mai)
Schweiz 2006
Regie: Peter Liechti
Originalfassung: Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Minimalistische Muster, perforierte Klangflächen, explosive Soundgewitter: Dreißig Tage improvisiert das Schweizer Jazz-Trio „Koch-Schütz-Studer“ jeden Abend zur gleichen Zeit zwei Sets à 40 Minuten in der Züricher Alten Schlosserei. Der Klarinettist und Saxophonist Hans Koch, der Cellist Martin Schütz und der Schlagzeuger Fredy Studer begeben sich Tag für Tag auf eine Reise ohne festes Ziel. Immer wieder lassen sie sich unbeschwert auf ein neues Wagnis ein. Material aus Jazz, Rock oder Dub reduzieren sie auf Fragmentarisches und fügen alles wieder neu zusammen. „Auf der Bühne experimentierst Du nicht, auf der Bühne spielst Du“, sagt Peter Studer. Das Gefühl des Augenblicks muss alles Denken überlagern.
Zuhörer stehen mit geschlossenen Augen im Halbdunkel, schweißnasse Musiker mit starrem Blick zimmern sich selbstvergessen bizarre Klangwelten. Publikum und Künstler in Momenten der Verstörung und Augenblicken des Flow. Eine filmische Verdichtung schier atemberaubender Sessions. Herzkammermusik.
Erika Stucky, Christian Zehnder und Noldi Alder setzen ihr auf ungewohnte Weise zu. Sie juchzen, jodeln, rufen, trällern und summen traditionelle und moderne alpenländische Lieder. Dabei reicht ihr Klangkosmos weit über das hinaus, was üblicherweise als Gesang bezeichnen wird. Den Körper setzen sie als Resonanzraum für den spontanen Ausdruck ihrer Gefühle ein. Erika Stucky, die Volksmusik und Bräuche des Wallis in ihrer Stimme vermischt mit Großstadtlauten, Babyschreien und amerikanischen Einflüssen: Blues, Jazz, Folk und Randy Newman. Drei kunstvoll miteinander verwobene Porträts über drei außerordentliche Sänger vor dem Hintergrund der Schweizer Heimat. Sehr sehenswert.“ (H. P. Daniels)
LES BALLETS DE CI DE LA (3. und 5. Mai)
Frankreich / Belgien 2006
Regie: Alain Platel
Originalfassung: Französisch
Untertitel: Englisch
Alain Platel, Choréographe. Allemaal Indiaan, Wolf, dann vsprs nach Montiverdis Vespro della Beata Vergine für die RuhrTriennale – Les Ballets C. de la B. (Ballets Contemporains de la Belgique) hat sich in 20 Jahren einen phänomenalen Ruf erworben. Wer sind diese athletischen Tänzer und Performer? Woher kommen sie? Wie übersetzen sie persönliche Konflikte, Sehnsüchte, Extreme in die Arbeit auf die Bühne? Wie fassen ihre Familien ihre Arbeit auf? Les Ballets de ci de la ist eine Hommage an all die außergewöhnlichen Menschen, die seit zwanzig Jahren die Gruppe prägen – und ein Roadmovie an die Orte ihrer Herkunft.
„All my performances are based on a similar approach: adapting to situations we constantly encounter and looking for the „emotional“ where one wouldn‘t necessarily expect it. To convey the nature of our creative work, I often position myself on the sidelines in order to get a better look at the center of the action. However, in this film, I wanted to present a view from inside our company, Les Ballets C. de la B., to show how we implement our utopian vision and try to share it with others. This is not a film about the Ballets, but rather with it and all those who have played a part in our history over the last twenty years.“ (Alain Platel)
Autor: Alain Platel. Kamera: Samuel Dravet. Ton: Jan Deca. Schnitt: Michèle Hubinon, Jan Deca. Produktion: Patrice Nezan, Lieven Thyrion. Länge: 110 min.
THINA SIMUNYE – WE ARE TOGETHER (9. Mai)
Großbritannien 2006
Regie: Paul Taylor
Originalfassung: Pidgin Englisch, Englisch
Untertitel: Englisch
„Singen erinnert mich an mein Zuhause, denn dort habe ich es gelernt.“ Slindile lebt im Agape-Waisenhaus in Südafrika. Die meisten Kinder dort haben ihre Eltern durch Aids verloren. Der hauseigene Chor wird zur wichtigsten Quelle für neuen Lebensmut, während die Schicksalsschläge kein Ende nehmen: auch Slindiles Bruder erkrankt. Doch als Volunteer Paul Taylor den überwältigenden Gesang hört, kommt ein Projekt zustande, von dem die Kinder nie zu träumen gewagt hätten. Eine Geschichte voller Hoffnung, erzählt von der 12-jährigen Slindile Moya.

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