music for the one god

Musik als Brücke

Music for the one God Foto: Michael Krosny

In München veranstaltete ein privater Verein ein bewegendes Konzert mit christlicher, muslimischer und jüdischer Musik mit über 100 Mitwirkenden in der fast ausverkauften Gasteig-Philharmonie. Ein hoffnungsvolles Zeichen der gegenseitigen Verständigung und Wertschätzung in unruhiger Zeit.
Von Robert Jungwirth
(München, 18. Januar 2015) Der Zeitpunkt für dieses Konzert hätte nicht besser gewählt sein können. Dabei war es schon lange vor der Eskalation islamistischer Gewalt in Frankreich und islamfeindlicher Demonstrationen in Deutschland geplant gewesen. „Music for the one God“ – unter diesem Motto brachten die Veranstalter des Münchner Vereins „Respect Us“ Musik des Islam, des Christentums und des Judentums in einem Konzert mit christlichen, muslimischen und jüdischen Musikern auf die Bühne. Der Verein „Respect Us“ versteht sich als Zusammenschluss von „Kulturaktivisten“, der sich für ein respektvolles Miteinander verschiedener Religionen und Nationalitäten engagiert. 2012 gab es schon einmal ein solches Konzert, nun also die zweite Ausgabe in der fast ausverkauften Münchner Philharmonie.
Neben dem bewundernswerten organisatorischen Aufwand, den ein solches Konzert mit mehr als 100 Mitwirkenden bedeutet, ist aber auch die inhaltliche Konzeption weit mehr als nur der Ausdruck des Willens zum Miteinander. Vielmehr präsentierte man sehr klug ausgewählte Musik, die die Verbindungen der Kulturen untereinander deutlich bzw. hörbar macht, und man benutzte Instrumente der europäischen Kunstmusik, um damit auch die islamische Musik zu begleiten und umgekehrt. Wer kennt z.B. schon Alfonso, El Sabio, den 1284 gestorbenen König von Kastillien, der Wissenschaft, Kunst und Kultur förderte und Christen, Moslems und Juden gleichermaßen an seiner Gelehrtenschule willkommen hieß. Und der sich auch als Komponist hervortat. Einige seiner Lieder waren ebenso zu hören wie ein Gesang von Hildegard von Bingen oder das Mariam Matrem Virginem aus dem Libre Vermell de Montserrat, einer Liedersammlung aus Montserrat aus dem späten 14. Jh. Klanglich gibt es da durchaus Ähnlichkeiten und Berührungspunkte.
Eine geradezu unglaubliche Biographie hat der polnische Musiker und Komponist Wojciech Bobowski, der im 17. Jh. in Istanbul türkische Musik studierte und schließlich einige wichtige Werke über türkische Musik verfasste, nebenbei zum Islam konvertierte, aber auch das Neue Testament ins Türkische übersetzte. Zwei seiner geistlichen Lieder waren an diesem Abend zu hören. Allein alle Mitwirkenden dieses denkwürdigen Konzerts aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb muss es genügen zu erwähnen, dass fünf Chöre, zahlreiche Sufi-Sänger und -tänzer, das Renaissance-Ensemble Estampie, das Pera-Ensemble für türkische Musik sowie zahlreiche solistische Sänger mitwirkten.
Der erste Teil des Konzerts war Musik des sogenannten „Goldenen Zeitalters“ gewidmet, in dem Christentum, Islam und Judentum nicht nur friedlich nebeneinander existierten, sondern sich gegenseitig befruchteten und zu einer Blüte in Wissenschaft und Kunst führten. Im zweiten Teil widmete man sich orientalischer und westeuropäischer Musik während des Barockzeitalters, als der Westen sich für die Kultur des Orients begeisterte. Allein die Tatsache, dass man so wenig über orientalische Musik aus dieser Zeit hierzulande weiß, sollte Anlass sein, in dieser Richtung künftig mehr Aufführungen anzubieten. Denn die Musik ist vermutlich die wirkungsvollste Kulturbotschafterin von allen, ihre Sprache ist universell und geht im besten Fall zu Herzen – wie an diesem Abend. Eine großartige Leistung aller Beteiligten und der Organisatoren!
Das Konzert wurde von BR-Klassik live als Webstream übertragen und kann auf der Homepage des Senders noch angesehen werden: http://www.br.de/radio/br-klassik/webconcert/index.html
Am 24. Januar kann man es zudem im Hörfunk von BR-Klassik (ab 19 Uhr) hören.

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