Münchner Symphoniker Steckel

Sportiver Spielwitz

Julian Steckel Foto: Marco Borggreve

Die Münchner Symphoniker mit Berlioz und Dvorak – der Cellist Julian Steckel spielt Tschaikowskys Rokoko-Variationen 
(München, 27. November 2011) Mit dem Auftritt des 31jährigen Cellisten Julian Steckel in einer Serie von Konzerten setzen die Münchner Symphoniker ihre ebenso bewährte wie spannende Reihe mit jungen herausragenden Musikern, die auf dem Sprung zur internationalen Karriere sind, fort. Julian Steckel zeigte auch in den vertrackten Rokoko-Variationen von Tschaikowsky geradezu sportive Leichtigkeit. Da bleibt erfreulicherweise bei allen Trillersprüngen, gurgelnden Läufen und Flageoletts noch immer genügend Raum für Spielwitz und Spielfreude. Mit dem Gewinn des ersten Preises beim ARD-Musikwettbewerb 2010 erstritt sich Steckel eine ideale Ausgangsbasis für eine internationale Karriere, und der ebenso selbstsichere wie sympathische Musiker scheint die Chance für sich zu nützen.
Die Münchner Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Georg Schmöhe begleiteten mit geschmeidigem Ton und ließen dabei auch den Charme und den Esprit dieser Komposition deutlich werden.
Auch Dovraks Achte, die völlig zu unrecht im Schatten der Neunten steht, boten die Symphoniker mit slawischem Tonfall und rhythmisch wunderbar akzentuiert (Scherzo und Schlusssatz). Schmöhe hat seine Musiker zu 100% im Griff, sorgt mit akkuratem Schlag für ein hohes Maß an Prägnanz und klanglicher Geschlossenheit. Auch wenn das Blech im Vergleich zu den nicht so üppig besetzten Streichern ein wenig aus der Holzverschalung der Prinze-Bühne knallte, gelang eine rundweg stimmige und stimmungsvolle Wiedergabe. Was bei diesem anspruchsvollen Werk selbst bei berühmteren Orchestern keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist.
Nur Hector Berlioz‘ kaum bekannte, ziemlich heterogen wirkende Ouvertüre zu "Les Francs Juges" – ein Jugendwerk aus dem Jahr 1826 – klang nicht ganz so geschlossen.
Wie auch immer, ein erfolgreiches Konzert, auch weil das Publikum zahlreich zu dem neuen Termin, Sonntag um 15.30 Uhr erschienen war. Die Wahl dieses zusätzlichen Konzertangebots der Symphoniker ab dieser Saison scheint eine gute Idee zu sein, nicht nur für ältere Konzertbesucher… 
Robert Jungwirth
Weitere Konzerttermine: Mittwoch, 30. November, 20 Uhr, Herkulessaal, 1. Dezember, 20 Uhr,  Prinzregententheater

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