Münchner Hofkapelle

Vielgestaltig

Hofkapelle München Foto: Jakob Erpf

Die Münchner Hofkapelle mit einem Barockprogramm im Kaisersaal der Münchner Residenz
Von Robert Jungwirth
(München, 29. Dezember 2016) Es hat eine Weile gedauert, bis sich in München eine Alte-Musik-Szene etabliert hat, die diesen Namen verdient. Erstaunlich lange für eine Musikstadt dieser Bedeutung. Warum das so war, darüber läßt sich nur spekulieren. Die Neue Münchner Hofkapelle brachte unter Christoph Hammers Leitung ab 1996 immerhin etliche beachtliche historisch informierte Aufführungen zustande, bis es den Dirigenten und Pianisten für eine Professur von der Isar weg in die USA zog. 2009 gründete der Barockgeiger Rüdiger Lotter die Hofkapelle neu, die sich schon sehr bald ein hohes Ansehen erspielte und durch einige CD-Einspielungen auch international Beachtung fand  und findet.
Auch was das Publikum betrifft dauerte es bis Alte-Musik-Ensembles hier auf ein ähnliches Interesse stießen wie traditionelle Formationen. Doch seit einigen Jahren ist auch für diesen Bereich der Musik in München ein interessiertes und zahlenmäßig durchaus beachtliches Publikum vorhanden – was man z.B. jetzt bei den drei Konzerten der Münchner Hofkapelle kurz vor Jahresende feststellen konnte – auch wenn der Veranstaltungsort, der Kaisersaal der Münchner Residenz, natürlich nicht die Größe des Herkulessaals hat.
Nun war das Programm mit Barockkonzerten von Vivaldi über Telemann bis Bach natürlich sehr gefällig – aber es gab mit Fux und Fasch auch weniger Bekanntes zu entdecken. Vor allem die Ouvertüre in g-moll von Johann Joseph Fux, eigentlich eine Orchestersuite, war in ihrer auch kammermusikalischen Vielgestaltigkeit besonders reizvoll und brachte die instrumentalen Qualitäten insbesondere der Bläser der Hofkapelle wunderbar zur Geltung. Bei den Streichern lief an dem besuchten dritten Abend nicht alles 100%ig rund – Unsauberheiten schlichten sich etwa in Vivaldis Violinkonzert „La cetra“ ein – es fehlte noch an der letzten Präzision. Und auch agogisch hätte man hier wie auch z.B. im F-Dur-Konzert von Telemann mehr interpretatorische Ideen entwickeln können. Also Solist beeindruckte Martin Patscheider mit feinem, klarem und weichem Ton in den Trompetenkonzerten von Telemann und Johann Friedrich Fasch (jeweils D-Du).
Den Orchesterhöhepunkt bildete indes Bachs erste Orchestersuite (C-Dur). Hier stimmte alles, jeder Bogenstrich und jede Betonung. Nicht umsonst wurde die Einspielung der Brandenburgischen Konzerte durch die Hofkapelle besonders gelobt.


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