Moravec

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Reife Ruhe

(München, 15. Mai 2007) Ivan Moravec spielt Mozart, Franck, Debussy und Chopin im Herkulessaal
Schon seltsam: Da sind Konzerte mit einem Lang Lang, selbst wenn er hauptsächlich Kammermusik mit Kollegen spielt, monatelang vorher ausverkauft, aber kommt ein Grandseigneur des Klavierspiels wie der 76-jährige Ivan Moravec einmal wieder aus seiner Heimatstadt Prag nach München, dann ist der Herkulessal kaum zur Hälfte gefüllt. Aber was soll’s, mehr als sonst waren junge Leute im Publikum, die wussten, was sie erwartet. Und auch wenn Moravec die angekündigte B-Dur-Sonate KV 333 nicht spielte, auf die sich mancher vielleicht besonders gefreut hatte, so war doch schon mit den ersten Takten der c-moll-Fantasie Mozarts klar, dass da jemand jenseits aller vordergründigen Brillanz und bloßen Oberflächenreizes Musik macht. Moravec tupfte das Thema der Fantasie nur verhalten in die Tasten und nahm sich viel Zeit für die Entfaltung der Musik. Dennoch entstand schon bald große Spannung, nicht zuletzt durch eine berückenden Anschlags- und Legatokultur, die dem Steinway wunderbar dunkel leuchtende Farben entlockte.
Ebenso ruhig entwickelte Moravec César Francks Präludium, Choral und Fuge und war doch auch um dramatische Zuspitzungen nie verlegen. Höhepunkt des Abends waren aber die drei Stücke des ersten Buchs der Debussyschen „Images“: vollkommen sicher austariert in den Klangfarben und motivischen Beziehungen, ob in den schillernden Lichtreflexen des Wassers bei „Reflets dans l’eau“, der feinen Meditation der „Hommage à Rameau“ oder der Abstraktion im „Mouvement“. Die Erfahrung eines ganzen Pianistenlebens konnte hier mitschwingen wie einst beim späten Claudio Arrau – ein Meisterstück.
Danach zwei fast autistisch in sich kreisende cis-moll-Mazurken Chopins und die Barcarolle fis-moll op. 60. Zuletzt als Zugabe Debussy (aus „Children’s Corner“), ein Walzer und eine letzte Mazurka von Chopin, gleichfalls exquisit und doch vollkommen unprätentiös gespielt. Langer, ausnehmend herzlicher Applaus.
Klaus Kalchschmid

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