Montezuma

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Im Zeichen des Kreuzes

Im Theater Sao Carlos in Lissabon wurde „Motezuma“ von Antonio Vivaldi aufgeführt

(Lissabon, April 2007) 2002 entdeckte Steffen Voss die Partitur von Vivaldis „Motezuma“ im berliner Archiv der Sing-Akademie. Die Oper nach einem Libretto von Alvise Giusti erzählt die Geschichte der Eroberung Mexikos durch Fernando Cortés. Ein exotisches Thema, ganz nach dem Geschmack des verwöhnten venezianischen Publikums zu Vivaldis Zeiten. Eine Oper, die in den letzten Jahren für Aufsehen sorgte, denn ein Rechtsstreit wurde angestrebt, um zu definieren, wem das Copyright für die Partitur zusteht: nur einem Eigentümer oder allen Menschen. 2006 gab es eine erste Einspielung der wiederentdeckten Oper (Archiv). Jetzt wurde der „Motezuma“ aufgeführt, in Portugal – und somit zum ersten Mal überhaupt seit dem 18. Jhdt. Vivaldis Meisterwerk hatte am 14. November 1733 im venezianischen Theater Sant‘ Angelo Premiere. Nicht ausgeschlossen ist, dass „Motezuma“ im kommenden Jahr auch in Mexiko-Stadt zur Aufführung kommen wird, im ehemaligen Tenochtitlan, dem Handlungsort der Oper.

Der Librettist hielt sich natürlich nicht an die historischen Gegebenheiten. Diese wurden ganz nach Gutdünken verändert. So verbinden sich in Vivaldis Oper Fernando Cortés und König Montezuma dank der Hochzeit von Teutile, der Tochter des Azteken-Herrschers, mit Ramiro, dem Bruder des spanischen Kommandanten. Die historische Tatsache des Massenmords am aztekischen Volk wie auch die brutale Ermordung des Königs fallen unter den Tisch. Kritik an christlicher-katholischer Kolonialpolitik war im damaligen Venedig undenkbar.

Der Regisseur der lissaboner Inszenierung, der Italiener Stefano Vizioli, führte auf geschickte Weise diese Kritik am Massenmord in seine Interpretation der Oper ein. Eine eigenwillige, aber überzeugende Interpretation. Auf dem schräg zum Publikum hin abfallenden Bühnenbild aus Holzplatten sind überall Blutflecken zu sehen. Die allgegenwärtige Kirche wird durch ein gigantisches Kreuz symbolisiert, das auf der Bühnenschrägen liegt. Vizioli begreift die katholische Kirche jener Zeit in Lateinamerika als Repräsentatin einer düsteren Religion, die sich, so der Regisseur, „meilenweit von Jesus Christus entfernt hatte“.

Während der gesamten Oper bleibt das Bühnenbild unverändert und doch entsteht in keiner Weise der Eindruck von Statik. Vizioli läßt die Sänger und die Statisten nicht nur auf der Bühne singen und agieren, sondern auch auf einem Laufsteg, der zwischen Orchestergraben und Parkett installiert wurde. Auf diese Weise wirkt die Inszenierung nie langweilig. Die Kostüme von Agnese Ribatti erinnerten an Stoffentwürfe des italienische Modehauses Missoni und paßten für eine Oper mit aztekischem Thema ganz hervorragend.

Händelexperte Alan Curtis am Dirigentenpult bietet ein Feuerwerk der Noten und interpretiert Vivaldi so, wie Vivaldi sein sollte. Kein Händel, kein Telemann aber auch keine zu süßliche Interpretation der Musik des „roten Priesters“, wie man sie immer noch viel oft zu hören bekommt. Das Orchester „Il Complesso Barocco“ spielt so perfekt, das man die Oper gleich vor Ort hätte aufnehmen können!

Curtis gelang es, eine relativ homogene Besetzung zusammenzustellen. Vito Priante als Motezuma war mit seiner tiefen Stimme ein wirklich dramatischer König. Teutile wurde von der Italienerin Laura Chierici sehr ausdrucksstark gesungen. Hervorragend ihr schauspielerisches Können. Kristallin war die Stimme von Maite Beaumont mit einer ausgereifter Technik. Ebenso Mary Ellen-Nesi in der Rolle der Mitrena.

Bleibt zu wünschen, dass diese Produktion auch als DVD erscheinen wird. Alan Curtis lieferte, wie schon auf seiner CD-Einspielung von Vivaldis ³Motezuma², eine wirklich überzeugende Bühnenfassung, die nicht nicht allein Lissabon vorbehalten bleiben sollte.

Thomas Migge

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