Moise et Pharaon in Rom

Wirkungsvolle Wasserspiele

Gelungene Inszenierung der Rossini-Oper "Moise et Pharaon" in Rom

(Rom, im Dezember 2010) Roms Staatsoper überrascht. Immer wieder wegen eher mittelmäßiger Inszenierungen kritisiert, ohne grossen Mut zu spannenden und innovativen Aufführungen, wird sie von italienischen Musikkritikern heftig angegriffen. Musikalische Direktoren, die das  Haus umkrempeln wollen, um ein interessantes Programm auf die Beine zu stellen, scheiterten immer wieder.
Dann sollte Stardirigent Riccardo Muti als musikalischer Direktor nach Rom kommen, doch daraus wurde auch nichts. Muti dirigiert pro Saison zwei Opern. Die neue Saison 2010/2011 begann jetzt unter seiner Leitung mit Rossinis Alterswerk, der Oper "Moise et Pharaon" von 1827. Dafür war er Wochen im voraus nach Rom gekommen, um ausführlich zu proben.
Und das Resultat dieser intensiven Arbeit kann sich wirklich hören lassen. Roms Staatsoper kann, wenn sie denn will, internationales Niveau bieten, eine gesamtdarstellerische Qualität von grosser Intensität, wie man sie von der Nationaloper in Paris oder aus London und Berlin her kennt. Das deutsche Publikum wird diese Inszenierung ebenfalls zu sehen bekommen. Geplant ist eine Aufführung mit der gleichen Besetzung in Berlin 2011.
 
Die Oper in vier Akten fordert von allen Künstler viel. Muti gelang es, den musikalisch-melodischen Reichtum der Partitur bis in die kleinsten Feinheiten herauszuarbeiten. Er führte das Orchester der Staatsoper zu einer Perfektion, die man in Italiens Hauptstadt nur selten zu hören bekommt. Die gesamte Besetzung war von stimmlicher Homogenität. Kein einziger Sänger der nurMmittelmäßiges geboten hätte. Auch das ein Novum in Rom, wo man immer gern eine einzige bedeutende Stimme einkauft, die dann im Gegensatz zum übrigen Cast heraussticht.
 
Ildar Abdrazakov bot einen stimmgewaltigen Moses. Mit seiner physischen Bühnenpräsenz, hoch gewachsen und kräftig, passte er ausgezeichnet in die Rolle des Führers der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft. Nicola Alaimo sang einen der beiden Gegenspieler des Moses. Als Pharaon war er ein Furcht einflössender Herrscher. Eric Cutler sang den Pharaonensohn Amenophis. In weiteren Hauptrollen traten Sonia Ganassi und Anna Kasyan auf. Die Regie hatte Pierì Alli. Er entwarf auch die an den US-amerikanischen Holywoodstreifen "Star Trek" erinnernden Kostüme. Alli siedelte die Handlung in einer fernen, aber ägyptisch wirkenden Zukunft an, allerdings angereichert mit Symbolen der jüdischen Religion. Faszinierend war die Schlussszene mit dem Roten Meer, das sich angesichts des fliehenden jüdischen Volks teilt, um dann später das Heer des Pharaos zu ertränken. Der Regisseur liess dafür auf zwei grossen Platten fliessendes Wasser als Film projizieren, was angesichts der Grösse der Platten einen gewaltigen Eindruck vermittelte.
Schade, dass diese gelungene Inszenierung nicht als DVD erscheinen wird. Aus was für Gründen das nicht geschieht bleibt ein Rätsel, zu dem niemand Auskunft geben will.

Thomas Migge

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