MKO Schuldt

Energisch am Start

Clemens Schuldt Foto: Sammy Hart

Clemens Schuldt gab seinen sehr erfolgreichen Einstand als Chefdirigent des Münchner Kammerorchesters
Von Laszlo Molnar
(München, 13. Oktober 2016) Ein knallender Schlussakkord, dann prasselt der Beifall, Begeisterungpfiffe gellen durch das Prinzregentheater in München – Clemens Schuldt Antrittskonzert ist ein voller Erfolg, der neue Chefdirigenten des Münchner Kammerorchesters vom Publikum abgesegnet. Mit dem 1982 geborenen, aus Bremen stammenden Dirigenten setzt das Münchner Kammerorchester seine Strategie fort, junge ambitionierte Dirigenten an seine Spitze zu berufen. Das hat bei Alexander Liebreich vielfältige Früchte getragen. Nun, bei Clemens Schuldt, könnte  es ebenso sein. In seinem ersten Abonnementkonzert in seiner neuen Funktion steckte Schuldt mit Musik von Bach, Beethoven und der 1983 geborenen Komponistin Clara Iannotta schon mal den Rahmen der zukünftigen Arbeit ab.
Der junge und sehr jugendlich wirkende Dirigent kann bereits auf eine reiche Erfahrung als Musiker zurückblicken. Er studierte Violine in Düsseldorf, spielte im Gürzenich Orchester Köln unter Markus Stenz – einem Experten für zeitgenössische Musik – und in der Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi. Was ihn aber reizte, war das Dirigieren – er studierte das Fach in Düsseldorf, ging nach Wien und Weimar. Der Name des Talents machte bald die Runde: Er leitet so angesehene Orchester wie das BBC Philharmonic, die Bamberger Symphoniker, das Deutsche Symphonie Orchester Berlin oder die Kammerphilharmonie Bremen.
Gerade ein modernes Kammerorchester braucht heutzutage einen energischen, in allen Stilen bewanderten Dirigenten. Das Repertoire der „klassischen“ Kammerorchester wird bedrängt von den Orchestern auf historischen Instrumenten, die sich die Klassik und sogar die Romantik erobert haben, und von Symphonieorchestern auf der anderen Seit. Sehr wirkungsvoll zeigte Schuldt bei seinem Antrittskonzert, wie er „sein“ Münchner Kammerorchester auf Kurs zu halten gedenkt.
Bachs mit Pauken und Trompeten ergänzte vierte Orchestersuite hätte auch ein Barockorchester nicht akzentuierter, konturierter spielen können. Sehr wirkungsvoll der Einsatz barocker Pauken. Die offenbar modernen kleinen „Bachtrompeten“ hingegen wirkten zu brillant und „glatt“. Insgesamt sahen sich alle Musiker als Solisten gefragt. Unter Clemens Schuldt fühlten sie sich berufen, ihr Können zu zeigen, doch darüber den Zusammenhalt als Orchester nicht aus dem Auge zu verlieren.
Aus Beethovens dritter Symphonie, der „Eroica“, machten Schuldt und die Musiker das Ereignis des Abends. Der Dirigent konnte es gar nicht erwarten, sich in diese Musik zu Stürzen. Mit knackigen, trocken knallenden Schlägen öffnete er den Raum für eine Dreiviertelstunde Farbenfeuerwerk. Denn bei allem „heroischen“ Anspruch, den Beethoven vor allem in der in dieser Besetzung auffallend großen Bläsergruppe äußert: Beethovens Musik ist ein schier unendlich schillernder Klangkosmos, dessen Vielfalt erst richtig in der kleinen Besetzung eines Kammerorchesters zum Tragen kommt. Schuldt gab in den schnellen Sätzen straffe Tempi vor, ohne die Musiker zu überfordern. Immer war Zeit für genaue Artikulation und eine prägnante, Phrasierung. Immer wieder fiel auf, welch bedeutende Rolle die Bläser sowohl solistisch als auch als Gruppe spielen; und anders herum ließ Schuldt im Trio des Scherzos die Streicher als Quartett solistisch spielen.
Da merkt man dann wieder, dass die Auffassungen von „Orchester“ bei Bach und Beethoven gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Zumal wenn der Dirigent die Musiker derart ungestüme, manchmal sogar erfrischend ungehobelte Töne anschlagen lässt. So bescherten das Münchner Kammerorchester und sein neuer Chefdirigent den Zuhörern in „kleiner“ Besetzung ein „großes“, unbändig vitales Beethoven-Erlebnis; Jubel im Publikum war der Dank dafür.
Die Uraufführung der Komposition „dead wasps in the jam-jar“ (Tote Wespen im Marmeladenglas) der 1983 geborenen italienischen Komponistin Carla Ianotta hingegen wollte nicht recht lebendig werden. Es zischte, surrte, schabte, das machen verendende Wespen wohl. Klangereignis reihte sich an Klangereignis, aus der „Neuen Szene“ durchaus vertraute Klänge. Ein Kollege meinte nach dem Stück, nun sei das Material ausgebreitet, aber zum Komponieren sei die Künstlerin anscheinend nicht mehr gekommen.
Der Start im neuen Amt ist Clemens Schuldt jedenfalls bestens gelungen. Wie es weiter gehen wird, kann man sich unter www.m-k-o.eu ansehen.



Münchner Philharmoniker


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