MKO Januar 10

Diesseits und Jenseits

Das Münchener Kammerorchester mit Alexander Lonquitch und Alexander  Liebreich im Prinzregententheater
(München, 21. Januar 2010) Das Mischungsverhältnis der vier Werke war perfekt: Zwei Dritteln Kammermusik, die zunehmend ins Jenseitige zerstäubte, folgte Maurice Ravels heiteres, frech diesseitiges G-Dur-Klavierkonzert. Was sich im Programmheft noch allzu disparat las, ergab im Prinzregententheater mit dem Münchener Kammerorchester einen wunderbaren Kontrast.
Das Siegfried-Idyll Richards I. klang ganz nach den schwelgerischen Melodien und Harmonien Richards III., wie sich Richard Strauss aus Verehrung für den Bayreuther Meister einmal nannte, denn Richard Zwo gäbe es nicht! So fein zerrieben, zauberhaft weich moduliert, fast immer leise flüsternd hört man dieses musikalische Geschenk für die Geburt des Sohnes Siegfried an die Mutter Cosima selten. Die Uraufführung von Mark Andres "Kar" war der Gegenpol dazu und doch auch Fortsetzung. Zwölf Minuten Musik mit Verweis auf die Passion Christi am Rande der Unhörbarkeit, zart knirschend, verhaucht, geräuschhaft zerrieben und doch einprägsam. Nur am Ende verflüchtigte sich das Stück zumindest ab der 14. Reihe allzu sehr. Man nahm gerade noch die raffinierte tonlose Pantomime eines Streichorchesters wahr und hoffte inständig, dass die Mikrophone des Funks nahe genug an den Instrumenten waren.
Henri Dutilleuxs "Mystère de l’instant" für 24 Streicher, Cymbalon und Schlagzeug nahm sich dagegen mit seinen zehn kurzen, ineinander übergehenden Stücken geradezu kraftvoll kernig aus, obwohl auch hier Pizzicati, Glissandi und sanftes Espressivo der Streicher bei aller Divergenz stets kammermusikalisch durchsichtig gewebt waren.
Zum Beschluss garantierten der großartig differenziert aufspielende Alexander Lonquich am Flügel und Alexander Liebreich am Pult ein Fest der Sinne, einen kontrollierten mediterranen Rausch, mit fein gemischten Klangfarben und wunderbar jazzigen Rhythmen, subtil angerührt und unglaublich vital gespielt. Schöner kann Lebenslust und Lebensfreude nicht klingen!
Klaus Kalchschmid

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