Menahem Pressler

Musik als Lebenselixier

Menahem Pressler Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer

Menahem Pressler war mehr als 50 Jahre Pianist des Beaux Art Trios, danach startete er eine Solokarriere. Holger Noltze gelingt mit seinem Gesprächsbuch „Dieses Verlangen nach Schönheit“ ein wunderbares Porträt des Ausnahmemusikers
Von Robert Jungwirth

Was für ein anrührendes Bild: Der 90-jährige Menahem Pressler sitzt auf der Bühne und hört mit gespannter Aufmerksamkeit und nach vorne gebeugtem Oberkörper den vier Musikern des Ebène-Quartetts zu, wie sie für ihn ein Geburtstagskonzert spielen. „Es ist ein Bild des idealen Hörens. Pressler so hingerissen zuhören zu sehen, weckt den Wunsch, Musik auch einmal so zu erleben wie er“, schreibt Holger Noltze im Nachwort seines Gesprächsbuchs mit dem Jahrhundertmusiker Menahem Pressler. Tatsächlich war und ist die Versenkung in die Musik für Pressler immer ganz und gar – ob er nun selbst spielt oder bloß zuhört. „Ich staune, dass das Herz – Schönheit, Tiefe, Passion – nicht älter wird“, sagt Pressler, der auch mit 92 noch immer neue Stücke lernt.

Eine lebende Legende ist der Pianist Menahem Pressler, der 1923 als Max Pressler in Magdeburg geboren wurde, schon lange. So lang wie er war kein anderer Kammermusiker des 20. Und 21. Jahrhunderts aktiv. Und als der fast 90-Jährige nach dem Ende des nicht minder legendären Beaux Arts Trios seine zweite Solokarriere startete – die erste begann er in den 40er Jahren – entschwand der Musiker endgültig in die Sphären des Unfassbaren.
Die Begeisterung für und das Staunen über die Schönheiten der Musik sind für Pressler auch in seinem 93. Lebensjahr Lebenselixier, und das Suchen nach neuen Erfahrungen und musikalischen Herausforderungen bedeutet ihm eine geistige Lebensform. Die Suche nach Schönheit in der Musik ist auch ein Kernthema des Gesprächsbuchs. Wie erzeugt man Schönheit, was zeichnet sie aus, wie kreiert man einen „schönen Ton“ am Klavier? Natürlich war das Feld des musikalisch Schönen auch ein Rettungsanker für den jungen, aus Nazi-Deutschland fliehenden Musiker. Auch darüber wird gesprochen.

Holger Noltze nähert sich dem Musiker und Menschen Menahem Pressler in seinem Buch mit kenntnisreicher Einfühlsamkeit an. Man merkt beim Lesen wie die Beziehung zwischen beiden im Lauf des Gesprächs enger wird. Ein hochinteressantes und auch bewegendes Buch über die Kraft der Musik und über eine faszinierende Musikerpersönlichkeit.
Holger Noltze/Menahem Pressler: Dieses Verlagen nach Schönheit
Gespräch über Musik
edition Körber Stiftung
200 Seiten, 18 Euro

[zur nächsten Buch-Rezension]


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.