Martha Argerich

La Argerich – einfach bezwingend

Martha Argerich Foto: DG

Martha Argerich und das DSO unter Charles Dutoit in der Berliner Philharmonie
(Berlin, 19. November 2009) Ihre Auftritte stehen stets unter einem Stern der Ungewissheit: Sagt Martha Argerich kurzfristig wieder einmal ab? Doch es lohnt sich, zu hoffen und zu bangen, denn kommt sie, dann erwartet das Publikum ein großartiges Konzerterlebnis, geprägt von unnachahmlicher Intensität und Nuanciertheit im Spiel. So war es auch diesmal beim Schumann-Konzert mit dem Deutschen Symphonieorchester unter Charles Dutoit in der Berliner Philharmonie.
Hier ereignete sich ein wahres Schumann-Fest, daran erinnernd, dass das a-moll-Konzert nicht zu Unrecht zu den bedeutendsten Werken der Klavierliteratur zählt. Man wünschte sich, es würde in die ganze Welt hinausgetragen, auf dass sich beschämend-klägliche Denunziationsversuche im Handumdrehen selbst erledigen. Mit seinem preisgekrönten Film "Vier Minuten" wollte Chris Kraus dieses Stück allen Ernstes als "lächerlich" entlarven. Dummes Zeug. Hat man Martha Argerich gehört, kann davon keine Rede mehr sein.
Mittlerweile 68 Jahre alt ist die Grande Dame des Klaviers, die aus ihrem Alter kein Geheimnis macht, souverän erhaben über jedwede Äußerlichkeiten. Was zählt, ist allein die Musik. Einfach wunderbar, wie sie jede noch kleine Phrase ausdrucksinnig ausspielt, mit einem untrüglichen Gespür für das richtige Tempo.
Nach wie vor bezeugt die Ausnahmekünstlerin auch eine Vitalität, mit der sie pianistischen Jungspunden in nichts nachsteht. Ob die energischen Anfangsakkorde, die virtuosen kraftvollen Passagen im Mittelteil des "Allegro affettuoso" oder das markante Hauptthema des Finalsatzes – La Argerich spielt alles mit einer zwingenden Bestimmtheit, mit einem unnachahmlichen Feuer. Sie spielt gewissermaßen mit dem ganzen Körper, mit Leib und Seele, stets in perfekter Feinabstimmung mit dem Orchester. Der rechte Fuß wird dabei über weite Flatterpedal-Passagen ebenso stark beansprucht wie die dahinwirbelnden Fingerspitzen, – der Flügel, er tanzt.
Und auch den übrigen Abend bestimmte der Ton des Tänzerischen. Charles Dutoit und das DSO, das sich mit erstklassigen Solisten in allen Sektionen empfiehlt, zeigten sich dabei ebenso hoch motiviert und kraftvoll wie ihre Solistin. Stark im Prägnant-Rhythmischen (Rachmaninoffs op.45), tonschön im Romantisch-Lyrischen ("Aufforderung zum Tanz" von Carl Maria von Weber) und farbenreich im Leicht-Parodistischen (Ravels "La Valse"). Anhaltender Beifall.
Kirsten Liese
Konzerttipp: Bei den Salzburger Festspielen 2010 wird Martha Argerich in zwei Konzerten zu erleben sein: am 29. Juli und am 1. August. Auf dem Programm steht Kammermusik von Schumann bis Schostakowitsch, u.a. mit Mischa Maisky, Renaud und Gautier Capucon.

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