Mahlers Achte

Die Hundertjährige

Symphonie für tausende Foto: wildundleise.de

Mahlers Achte am Ort und mit dem Orchester der Uraufführung
(München, 17. Oktober 2010) Mahlers Achte ist wahrhaft ein Koloss. Keine "Symphonie der Tausend" mit immerhin allein einem 350-stimmigen Knabenchor wie bei der Uraufführung vor fast genau 100 Jahren in München mit den seinerzeit noch "Orchester des Konzertvereins München" heißenden Philharmonikern war im Gasteig zu erleben, aber immerhin eine Aufführung durch 400 Sänger und Musiker, die so manchen Kritiker der Akustik der Philharmonie wohl verstummen ließ. Derart überwältigend war der Eindruck etwa der beiden Frauenchöre in Block E und L zusammen mit den Männern des Philharmonischen Chors und des Wiener Singvereins sowie des Tölzer Knabenchors  vor der mächtigen, endlich einmal ausgiebig geforderten Orgel.
Schon der einleitende lateinische Pfingsthymnus "Veni creator spiritus" sprengte alles, was man bis dato in der Philharmonie gehört hatte. Und Christian Thielemann gelang die Quadratur des Kreises: Nie artete die Aufführung in Lärm aus, stets waltete bei aller Emphase enorme Klarheit. Trotzdem berührten die zahlreichen leisen Passagen des zweiten Teils in der Vertonung des Finales von Goethes "Faust II" am meisten. Der Beginn des "Chorus Mysticus" mit dem berühmten "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis …Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan" besaß einen großen, berührenden, feinen Zauber. Die immense Steigerung der Chormassen und die endlich rein instrumentale Apotheose waren schlicht überwältigend. Hier – und in den wunderbar ausmusizierten instrumentalen Chorälen – zeigte sich unverkennbar der geniale Bruckner-Dirigent Christian Thielemann, der unendliche Steigerungen famos gestalten kann.
Neben den wunderbaren Chören konnten vor allem die weiblichen Solisten betören: die Sopranistin Ricarda Merbeth sowie die Mezzos Lioba Braun und Birgit Remmert, dazu Manuela Uhl und Sibylla Rubens (Mater gloriosa). Leider musste man bei den Männern etwas Abstriche machen. Die Baritone Roman Trekel und Albert Dohmen waren ihren Aufgaben durchaus gewachsen, Burkhard Fritz freilich sang sich leider fest und brachte seinen Tenor-Part nur mit Mühe zu Ende. Der überzeugenden Wirkung des Ganzen tat das keinen Abbruch.
Nur schade, dass es aus Kostengründen nicht möglich war, den Ort der Uraufführung, wo heute Fahrzeuge des Deutschen Museums ausgestellt sind, für diese Jahrhundertaufführung auszuräumen. Aber wer weiß, vielleicht wäre das eine akustische Enttäuschung gewesen.
Klaus Kalchschmid

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