Maazel Skrjabin (Kopie 5)

Im musikalischen Hochofen

Lorin Maazel Foto: Chris Lee

Der zukünftige Chefdirigent der Münchner Philharmoniker Lorin Maazel dirigiert die Saisoneröffnung des Orchesters
(München, 15. September 2011) Es muss wohl tatsächlich so etwas wie Zuneigung zu den Münchner Philharmonikern sein, die Lorin Maazel dazu veranlasst, ein Jahr bevor er als Chefdirigent in München seinen Einstand gibt, bei dem Orchester die Saisoneröffnung zu dirigieren. Und/oder es ist vielleicht auch die Zuneigung zu München, wo Maazel immerhin fast zehn Jahre lang (von 1993 bis 2002) das Symphonieorchesters des BR leitete und woher auch seine Frau Dietlinde Turban stammt (hier hat sie zumindest studiert und am Residenztheater gespielt).

Wie ernst der 81jährige Maazel seine künftige Verpflichtung bei den Münchner Philharmonikern nimmt, hat er schon mit einer fantastischen Wiedergabe von Bruckners im Mai 2010 (siehe Kritik auf KlassikInfo) gezeigt. Und auch jetzt beeindruckte Maazel in einem russischen Programm nicht nur mit souveräner Übersicht und Präszision, sondern auch mit einem geradezu mitreißenden Gestaltungswillen. Zweieinhalb Stunden dauerte das Programm mit der wenig bekannten Suite Nr. 3 für großes Orchester von Tschaikowsky, dem ersten Cellokonzert von Schostakowitsch und der überbordenen Tondichtung "Poème de l’Extase" von Skrjabin – eine ebenso wirkungsvolle wie stimmige Programmzusammenstellung.

Tschaikowskys Suite und Schostakowitschs Konzert sind Leidensmusiken aus unterschiedlichen Ursachen. Hier der aus persönlichen Gründen unglückliche russische Erfolgskomponist, dort der in Angst und Schrecken lebende "Staatskomponist" des sowjetischen Staatskommunismus.
Bemerkenswert, wie Maazel die Schwermut des Valse melancholique aus der Suite zu einem geradezu unheimlichen Perpetuum mobile gestaltete oder in der einleitenden Elegie immer wieder die Tragik hörbar werden ließ.
Im Cellokonzert begleiteten die Philharmoniker mit enormem Feingefühl und subtiler Klanglichkeit, was umso lohnender war, als Sol Gabetta den Solopart weniger aggressiv als kontemplativ, verinnerlicht bot – gleichwohl mit empfindungsreicher Hingabe, Tiefe und – wenn es sein musste durchaus mit Ingrimm.

Skrjabins sensationelle Partitur des "Poème de l’Extase" ließ Maazel von den Philharmonikern in impressionistischen Farben schillern und dann in fortwährender Steigerung erglühen wie in einem musikalischen Hochofen. Im exzessiven Finale des spektakulären Werks – von Maazel souverän Schritt für Schritt zum Höhepunkt hochgekocht – erzeugten die Philharmoniker ein derart gleißende Klanggewalt, dass einem schier die Sinne schwinden konnten – sensationell!
Man darf sich also sehr freuen auf die Programme des neuen, altbekannten, zukünfigen Chefdirigenten Lorin Maazel!
Robert Jungwirth

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