Liselotte Orff

Ermöglicherin und Bewahrerin

Liselotte Orff und Thomas Rösch, Direktor des Orff-Zentrums München Foto: Marion Vogel

Das Orff-Zentrum feierte den 80. Geburtstag von Liselotte Orff
(München, im November 2010) Vor etwas mehr als 20 Jahren fasste Liselotte Orff, die Witwe Carl Orffs, den Entschluss, den umfangreichen Nachlass ihres 1982 Verstorbenen Mannes, einem eigens dafür zu gründenden Institut für Forschung und Lehre zur Verfügung zu stellen. Das bayerische Kultusministerium, damals unter der Leitung des musikkundigen Hans Maier, erkannte die Wichtigkeit einer solchen Institution und förderte sie, stellte dem Orff-Zentrum – wie die Einrichtung heißen sollte –  ein geeignetes Anwesen in der Kaulbachstr. in München zur Verfügung. 1990 wurde das Orff-Zentrum München eröffnet, das sich seitdem dem Erbe und Andenken des Münchner Komponisten, den viele auf seine "Carmina" und das Schulwerk reduzieren, widmet.

Und so fügte es sich, dass der 80. Geburtstag von Liselotte Orff in diesem Jahr mit dem 20jährigen Bestehen des Orff-Zentrums zusammenfiel. Was lag also näher als beide Geburtstage mit einem Festkonzert zu feiern.
Als Laudator fand sich Hans Maier ein, der – selbst mittlerweile knapp 80 Jahre alt – in geschliffenen und einfühlsamen Worten die Bedeutung der Jubilarin sowohl für die Entstehung vieler Werke Orffs als auch für die Betreuung des Nachlasses würdigte. Der satzungsgemäßen Aufgabe der 1982  gegründeten Orff-Stiftung, "den künstlerischen Nachlass von Carl Orff zu erhalten und sein geistiges Erbe zu wahren und zu verbreiten", fühlte sich Liselotte Orff selbstverständlich immer verpflichtet. Von ihrem Mann noch als Vorstand der Stiftung eingesetzt, blieb sie in dieser Funktion bis vor zwei Jahren aktiv. Seitdem leitet der Komponist und Orff-Schüler Wilfried Hiller die Geschicke der Stiftung.

Wenig Bekanntes stand auf dem Programm des Festkonzerts unter der Gesamtleitung des Perkussionisten Stefan Blums: Stücke für Sprechchor und Sprechstücke von 1954 bis 1977. Diese zeigen Orffs enge Beziehung zu dichterischen Texten, seien sie aus antiken Dramen wie der "Antigonae", klassischen Dichtern wie Hölderin, Klopstock oder Schiller oder von Brecht. 1977 "vertonte" Orff Brechts Gedicht "Ölfeld", in dem – zeitgemäß wie eh und je und heute vielleicht noch mehr als damals – geschildert wird, wie die Ölgesellschaften ihre Profitinteressen über das Wohl der Menschen und der Natur stellen.

Manche dieser Stücke sind unbegleitet, manche mit sparsamen perkussiven oder instrumentalen Klängen versehen, wobei die Musik mal grundierende, mal kommentierende Funktion hat. Manche sind gesungen, andere werden rhythmisiert gesprochen oder verlangen einen raunenden Sprechgesang wie etwa Schillers "Abend". Der fließende Übergang vom Gesprochenem zum Gesungenen hat Orff zeitlebens interessiert, und genau dies kann man in diesen Sprechstücken sehr gut in verschiedensten Ausformungen hören.

Manchmal muß man an konkrete Poesie denken, die sich ja ebenfalls – von der Literatur her kommend – mit der Musikalisierung und Rhythmisierung von Lyrik beschäftigt.
Es war ein spannendes Programm, das für dieses Festkonzert ausgewählt worden war, eines, das die spielerische Kreativität Orffs und seine Textorientierung jenseits bekannter Werktitel vorstellte.

Robert Jungwirth

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