Lilian Akopova

Theater fürs Klavier

Lilian Akopova gibt ein sensationelles CD-Debüt mit Schumann und Mendelssohn
Es bedarf nicht nur eines gehörigen pianistischen Talents, um Schumanns ungemein vielgestaltigen Klavierzyklus "Carnaval" mit seinen rasch wechselnden Stimmungen und Gesten zwischen Heiterkeit, Charme, Witz und Geheimnis zu bewältigen. Man braucht vor allem jede Menge Gespür für die poetische Kraft dieser Musik, für die 22 Stimmungs- und Charakterbilder einer Faschingsnacht bishin zu den musikalischen Hommagen an Chopin und Pagagnini. Ohne dabei ins Karikaturistische, Überzeichnete abzugleiten. Der 27 Jahre jungen, aus Aremenien stammenden Pianistin Lilian Akopova gelingt dies mit einer wahrhaft verblüffenden, ans Traumwandlerische grenzenden Sicherheit, einer bravourösen Technik und einem flexiblen, pointierten, aber niemals kraftmeiernden Anschlag.
Ihre Debüt-CD, auf der außerdem Schumanns Fantasiestücke op. 12, Mendelssohn-Bartholdys enorm schwere Fantasie op. 28 und eine Schumann-Bearbeitung von Liszt ("Widmung") zu hören sind, kann man getrost eine kleine Sensation nennen, vor allem, wenn man bedenkt, dass man von Lilian Akopova bislang noch kaum etwas vernommen hat. In diesem Jahr gewann sie den ersten Preis beim Vianna da Motta Wettbewerb in Lissabon, davor u.a. den ersten Preis beim internationalen Klavierwettbewerb in Valencia (Carlet). Bis 2007 hat sie an der Musikhochschule in München bei Elisso Wirssaladze studiert, davor in Kiew.
Ohne alles äußerliche Blendwerk lotet die Pianistin die kleinen theaterhaften Szenen des "Carnaval"  mit geradezu sprechender Lebendigkeit aus. Gleiches gilt für die Fantasiestücke, die eine Art Lieder ohne Worte darstellen. Schumann komponierte sie 1837 in Gedanken an seine spätere Frau Clara, die zu dieser Zeit von ihm getrennt war, weil ihr Vater den beiden jeglichen Kontakt verboten hatte. Die Titel verweisen auf Gedichte und Novellen romantischer Dichter. Die Qualität der lyrischen Empfindungen, die Schumann hier vorstellt, bringt Lilian Akopova mit einer poetischen Klangmalerei und Klarheit in der Diktion zum Klingen, wie man sie von einer so jungen Pianistin nicht erwarten würde. Akopova hebt sich mit dieser wunderbaren Einspielung aufs Erfreulichste von vielen Zirkustalenten ab, die von den großen Plattenfirmen immer wieder auf den "Markt geworfen" werden.
Das kleine Label "Genuin" aus Leipzig hat diese wunderbare CD produziert, dafür gebührt ihm Anerkennung und Dank.

Robert Jungwirth

[zur nächsten CD-Rezension]


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.