Les Troyens an der Wiener Staatsoper

Trojanische Feuer am Wiener Ring

Hector Berlioz´ „Les Troyens“ in pompösem Glanz an der Wiener Staatsoper

Von Derek Weber

(Wien, 17. Oktober 2018) Mit fast schon unnachahmlicher Noblesse wird im Programmheft der Wiener Staatsoper in Erinnerung gerufen, dass es allen Regisseuren und Bearbeitern von Hector Berlioz´ „Les Troyens“ in den Fingern „gezuckt“ habe, das mit fünf Stunden ziemlich lange Werk zu kürzen, insbesondere in der ausgedehnten Ballettmusik. Diese Streichungswut kann einen leicht überkommen, wenn man diese Oper unvoreingenommen auf der Bühne sieht, zumal es sich dabei vor allem um Kürzungen an der Bedienung der Konvention der Grand Opera handeln würde. Es zählt in diesem Fall auch das Argument nicht, man würde so ein dramaturgisches Ungleichgewicht schaffen. Eher würde man es wohl beseitigen. Aber man kann natürlich nachvollziehen, dass jedes Haus seine Ballett-Truppe gut positionieren und vorzeigen möchte.

Aber das ist nicht das einzige Problem, das diese Berlioz´ Oper aufwirft. Der klassische Stoff über den Untergang von Troja, das (in Wien riesig-metallgepanzerte) hölzerne Pferd, die Liebesgeschichte zwischen Äneas und Dido und die Gründung Roms wird bei Berlioz im ersten Teil zu einem großen Massenstück, sodann zu einer fast romantischen Liebesgeschichte, um dann am Ende den großen historischen Faden wieder weiter aufzurollen.

Wie das zu zeigen sei, wird zum großen Regieproblem. Selten wird das so nobel gelöst wie vor langer Zeit (im Jahr 2000) von Herbert Wernicke bei den Salzburger Festspielen, der das Pferdchen nur durch einen Spalt sichtbar machte. Heute wird mehr geklotzt. Das liegt wohl auch an unseren populistischen Zeiten: David McVicar ist kein schlechter Regisseur; er weiß die Massen zu führen, er passt sie in ein massiges Bühnenbild ein und er findet – nicht zuletzt – zusammen mit seiner Bühnenbildnerin Es Devlin einen Weg des gleitenden Übergangs vom brennenden Troja zu Didons (so heißt sie ja im Französischen) Afrika. Die Massen des 1. Akts sind weg, eine Sahara-Architektur bleibt übrig. Zum Schluss schweben Fata Morganas auf der Bühne, der phrygische Seemann singt zwischen Schiff-Seilen, dann wird die Bühne leer und eindimensional. Und Dido kann sterben.

Viel tut sich. In Erinnerung bleiben neben der großartig gesungenen und gespielten Dido Joyce diDonatos die Cassandre der Einspringerin Monika Bohinec, die leider sehr bald Selbstmord begehen muss, Szilvia Vöros als Didos Schwester Anna und Brandon Jovanovich als Enèe. Die Chöre – neben dem Wiener Staatsopernchor darf der Slowakische Philharmonische Chor kräftig auftrumpfen – schlagen sich mehr als tapfer und für die orchestrale Grundierung sorgen die Wiener Philharmoniker unter der straffen Leitung Alain Altinoglus.

Das Monsterprojekt der „Troyens“ verdankt sich dem runden Jubiläum der Wiener Staatsoper. Und wie feiert ein Haus wie die Staatsoper ein Jubiläum? Groß natürlich, riesengroß und üppig und einmal nicht mit Wagner oder Richard Strauss. Gott sei Dank hat das Haus am Wiener Ring einen französischen Direktor, darf man da wohl sagen.

Werbung

 


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.