Lekeu

CD der Woche

Guillaume Lekeu: Les fleurs pâles du souvenir – Complete works (Ricercar 351)

Unter den früh verstorbenen Komponisten ist neben Mozart Schubert der bekannteste. Gelegentlich wird auch der Name Juan Crisóstomo de Arriaga (1806-1826) genannt. Einige Jahre später kam Julius Reubke zur Welt, starb ebenso mit 24 wie dann auch Guillaume Lekeu (1870-1894). Dessen 3. Violinkonzert erschien kürzlich in einer Edition mit frühen Menuhin-Aufnahmen (Documents), aber im öffentlichen Konzertleben spielen Lekeus Werke bis heute kaum eine Rolle. Auch das 2012 von den Pianistinnen Jeanne Gillard und Eliane Reyes (ihre Tochter) ins Leben gerufene Festival in des Komponisten Geburtsstadt Verviers (Belgien) dürfte über lokale Bedeutung so schnell nicht herauskommen.

Zum 100. Todestag Lekeus im Jahre 1994 veröffentlichte das Label Ricercar eine Gesamtedition der Werke Lekeus, wobei der Pianist Luc Devos und das Orchestre Philharmonique de Liège unter Pierre Bartholomée den Großteil der Interpretationen bestreiten. Diese Kassette wurde jetzt wieder aufgelegt (nur noch acht CDs statt seinerzeit neun). Man hört romantisch trunkene Musik, die aber unverkennbar zu neuen Ufern aufbricht. Über „vollendet“ oder lediglich „frühvollendet“ mag im Einzelnen unterschiedlich befunden werden, um ausdrucksvolle, emotional bewegende Musik handelt es sich ausnahmslos. Namentlich auf CD 2 konzentrieren sich Werke mit den Ausdrucksbezeichnungen „Religioso“, „doloroso“ oder auch „malinconico“. Typisch für Guillaume Lekeu, der aber auch ein fröhliches Menschenkind gewesen sein soll. Die durchgehend hochrangigen Interpretationen sind dem editorischen Rang der Kassette ebenbürtig.

Christoph Zimmermann

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