La Rondine

Opernkritik: La Rondine

Ein Hauch von Rosenkavalier bei Puccini

Ivan Repusic Foto: Agentur

Das Münchner Rundfunkorchester unter Ivan Repusic präsentierte eine gelungene konzertante Aufführung von Puccinis "La Rondine"
Von Robert Jungwirth
(München, 11. Oktober 2015) Commedia lirica nannte Giacomo Puccini seine 1917 entstandene und 1920 überarbeitete Oper(ette) „La Rondine“. Schon durch ihre thematische Nähe zu Verdis „Traviata“ ist eigentlich klar, dass das heitere Genre so heiter bei Puccini nicht ist – auch wenn der erste Akt tatsächlich vor allem eine operettige Tändelei in einem Pariser Salon darstellt. Gelangweilte Salondamen werden durch Dichterworte zu sentimentalen Gefühlen angeregt, und die Dame des Hauses träumt sich erst in eine sentimentale Liebe hinein, bevor diese sich tatsächlich materialisiert. Doch nimmt die neue Liebe einen unglücklichen Verlauf, da Magda ihr Vorleben als Gespielin des reichen Bankiers Rambaldo ihrem aufrichtig liebenden Ruggero nicht verheimlichen kann und will, und nachdem eine „unbescholtene“ Liebe nicht möglich ist, auf Ruggero verzichtet und zu ihrem Bankier zurückkehrt…Soweit so unglücklich.
Puccinis wenig bekannte Oper enthält viel Interessantes und musikalisch Anspruchsvolles. Vor allem sind die Bezüge zu Richard Strauss deutlich zu bemerken. Unlängst hat zum Beispiel der Dirigent Riccardo Chailly in seinem Buch „Das Geheimnis liegt in der Stille“ auf die kaum bekannten Verbindungen zwischen diesen beiden Zeitgenossen hingewiesen. Ein schwungvoller Gesellschaftswalzer in der „Rondine“ gemahnt sehr deutlich an den „Rosenkavalier“, den Puccini offenbar sehr schätzte, und als im Salon von Madame Magda die Rede auf heroische Frauen kommt und dabei auch die biblische Salome erwähnt wird, zitiert Puccini im Original ein Motiv aus Straussens „Salome“ – eine schöne kleine Referenz an den Kollegen aus München!
Die Art des Parlandos, das Puccini im ersten Akt vorstellt, läßt „La Rondine“ geradezu als kompositorisches Bindeglied zwischen Oper, Operette und Musical erscheinen. Ivan Repusic machte das am Pult des Münchner Rundfunkorchesters in einer rundweg überzeugenden konzertanten Aufführung klanglich sehr schön klar, ließ die Musik perlen und prickeln, um dann aber auch wieder ohne Brüche in die emotionalen Tiefen dieser Oper hinabzusteigen. Elena Mosuc als Magda gelang dieser Spagat ebenso mit stimmlicher Bravour, angestachelt durch den enthusiasmierten Tenor von Yosep Kang als Ruggero (dessen gelegentliche kleine stimmliche Schwächen nicht weiter ins Gewicht fielen). Musikalisch ungemein charmant begeisterten  Evelin Novak und Alvaro Zambrano als ungleiches Paar: die Zofe Lisette und der Dichter Prunier Herrlich. Gleiches gilt für den mittlerweile würdevoll ergrauten Jan-Hendrik Rootering als staubtrockener Bankier Rambaldo. Eine stimmige und stimmungsvolle Ehrenrettung dieser wunderbaren kleinen Oper von Puccini.
Der Mitschnitt dieser Aufführung wird auch auf CD erscheinen.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.