Kullervo Sibelius

Düstere finnische Saga

„Kullervo“ zu Sibelius‘ 50. Todestag in der Philharmonie
(München, 17. Juni 2007) Gerade mal 26 Jahre alt war Jean Sibelius, als er die Symphonie für Mezzosopran, Bariton, Männerchor und Orchester „Kullervo“ op. 7 nach einer Episode aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ komponierte. Seine erste reine Instrumental-Symphonie sollte noch sieben Jahre auf sich warten lassen. Schon bald nach der Uraufführung 1892 zog der Komponist allerdings die Partitur von „Kullervo“ zurück, plante lebenslang eine Überarbeitung, auch eine Veröffentlichung der einzelnen Sätze als separate sinfonische Dichtungen. Dazu ist es nie gekommen, und die Partitur wurde erst 1966 gedruckt. Umso schöner, dass „Kullervo“ auf dem CD-Markt in exzellenten Einspielungen präsent ist und jetzt von den Münchner Philharmonikern unter Jukka-Pekka Saraste nicht nur eine Live-Aufführung gewagt wurde, sondern diese auch noch exemplarisch gelang.
Schon die ersten beiden instrumentalen Sätze, eine weit gespannte Einleitung und die Beschreibung der schweren Jugend des Helden Kullervo, überzeugten durch eine orchestrale Glut, die mal dunkel, mal wie aufbrechende Lava intensiv leuchtete. Richtig packend und unter die Haut gehend wurde es mit Einsatz der 69 Stimmen des finnischen Männerchors „Otaniemen Kaiku“ und des Philharmonischen Chors mit ihrer mehrfach wiederkehrender Beschwörung „Kullervo Kalervon poika“, zu deutsch: „Kullervo, der Sohn Kalervos …“. Wie da die Kraft eines Mannes und der ihn umgebenden Natur, seine Verführungskunst und schließlich ein ungewolltes Inzestdrama musikalisch beschworen wurden, geriet dank Chor und Orchester, aber auch dank der beiden Solisten Jorma Hynninen als viriler, ungeschlachter Kullervo und Solveig Kringelborn als seine zarte, sensible Schwester zum Ereignis.
Wenn am Ende beide ihre Sehnsucht nach dem Tod schildern und diese musikalisch geradezu übermenschliche Gestalt annimmt, klingt dies ergreifend, ja geradezu niederschmetternd.
Klaus Kalchschmid

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.