Kritik: Lorin Maazel München

Konzertkritik Maazel mit Wagner und Britten: Siegfried unter der Käseglocke

Lorin Maazels Geburtstagshommage an Benjamin Britten mit den Münchner Philharmonikern und Barbara Hannigan
Von Robert Jungwirth
 
(München, 6. Dezember 2013) Übermäßig viel war im Britten-Jahr 2013, in dem man des 100. Geburtstags des englischen Komponisten gedenkt, in der Musikmetropole München nicht von seiner Musik zu hören. Gut, das "War-Requiem" wurde von den BR-Symphonikern unter Jansons und den Philharmonikern unter Maazel aufgeführt, aber sonst? Kurz vor Ende des Jahres setzte Maazel jetzt noch drei Werke aufs Programm eines Abokonzerts: die "Sea Interludes" aus der Oper "Peter Grimes", den "Young Persons Guide" und die Lieder nach Rimbaud "Les Illuminations". Eröffnet wurde das Konzert, warum auch immer, mit dem "Siegfried-Idyll" von Wagner. Wenn Maazel Siegfrieds "Rheinfahrt" aus der "Götterdämmerung" gewählt hätte, dann hätte man zumindest über das Thema Wasser und sogar die Außenseiter-Thematik zu Grimes hinführen können. Aber so war das charmante Orchesterstücken ein Appetizer, der zum restlichen Menü so gar nicht passen wollte. Und dann klang es auch noch wie unter einer Käseglocke, farblos, ja lieblos. Auch die "Interludes" verströmten nicht gerade ein Übermaß an Sealife-Atmosphäre. Gut gelang allerdings der Einbruch des Bedrohlichen am feierlichen "Sonntagmorgen" und die unendliche Weite des nächtlichen Seehimmels – und damit die unendliche Verlorenheit des Aussenseiters Peter Grimes – im dritten Satz "Moonlight". Das ist eben das alte Problem bei Maazel: Wenn er nicht wirklich motiviert ist, klingt es nicht – das hat nichts mit dem Orchester zu tun, das vor ihm sitzt. Das hat man oft genug auch schon in den 10 Jahren beim BR erlebt. Und daran wird sich auch nichts mehr ändern.
Wie glänzend aufgelegt und feinsinnig akzentuiert das Orchester auch klingen kann, konnte man bei den Rimbaud-Liedern mit der schlichtweg phänomenalen Barbara Hannigan hören. Mit feenhafter Leichtigkeit ließ sie ihre Stimme zwischen Charme und skurriler Fantastik hin und herpendeln. Wenn in "Phrase" von goldenen Ketten die Rede ist, die sich von Stern zu Stern spannen, klingt ihre Stimme wie ein feiner goldener Faden, dessen Ende sich in luftigen Höhen verliert… Diese Sängerin ist ein Ereignis, keine Frage. Sehr fein und zärtlich auch das Violinsolo im darauffolgenden Lied "Antique". Danach gelang auch der klingende Orchesterführer brillant und humorvoll charmant.


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