Kritik: Christiane Karg Köln

Konzertkritik Liederabend von Christiane Karg: Opium

Christiane Karg Foto: Gisela Schenker

Christiane Karg begeisterte bei ihrem Liederabend unter dem Motto "Nostalgia – Sehnsucht – Fernweh" in Köln. Am Klavier begleitet wurde die Sopranistin von Gerold Huber.
Von Christoph Zimmermann
(Köln, 14. November 2013) Reynaldo Hahns Bach-nahes Lied "A Cloris", die zweite Zugabe Christiane Kargs an ihrem von Gerold Huber begleiteten Kölner Liederabend (vorausgegangen war Schuberts "Schöne Welt, wo bist du?"), bildet auch die Introduktion zur CD "Opium" Philippe Jarousskys, deren eigenwilliges Programm der Countertenor vor einiger Zeit auch in der Philharmonie vorstellte. Warum diese Erwähnung? Weil das Wort "Opium" in etwa die Wirkung umschreibt, welche vom Auftritt der großartigen Sopranistin ausging.
Bereits vor 5 Jahren, als die damals noch nicht 30-jährige Künstlerin ein Einspring-Recital absolvierte, waren die besonderen Qualitäten von Stimme und Gestaltung aufgefallen. Auch wenn das Timbre inzwischen um Grade dunkler geworden zu sein scheint, was es der Sängerin ermöglicht, tief gelegene Passagen einiger Lieder ohne Druck zu gestalten (gleich zu Beginn Hugo Wolfs "Mignon IV"), ist der Charakter der Stimme doch weiterhin mädchenhaft hell. Christiane Kargs derzeitige vokale Verfassung kommt einer Opernpartie wie Debussys Mélisande (Frankfurter Oper) mit Sicherheit zugute. Von diesem Haus wird sie sich mit Ablauf der Saison nach fünf Jahren der Zugehörigkeit verabschieden, um frei zu arbeiten. Allerdings hat Christiane Karg nachdrücklich darauf hingewiesen, dass ihr die feste Einbindung in ein vertrautes Sängerteam förderlich war und ihr ggf. auch Rollenwagnisse erleichtert hat.
Da Christiane Karg bei ihrer Tätigkeit dem Liedgesang seit jeher einen breiten Raum gönnt, ist es nur logisch, dass sie ihre Partner am Klavier hin und wieder wechselt. Für ihren Kölner Abend hat sie zu Gerold Huber gefunden, dessen überaus subtiles Spiel hierorts zuletzt im April faszinierte, als er mit Christian Gerhaher auftrat. Auch diesmal erwies er sich, zumal bei dem stark lyrisch geprägten Programm, als anschmiegsamer, gleichwohl individuell akzentuierender und bei Bedarf durchaus extrovertiert accompagnierender Begleiter.
Christiane Kargs Repertoire ist, auch wenn es Schwerpunkte im Bereich der Musik des 18. Jahrhunderts gibt (so bei ihrer letzten CD "Amoretti"), nicht eng gefasst. Die Sängerin freut sich beispielsweise darauf, in Bälde als Ann in Igor Strawinskys "The Rake’s Progress" auftreten zu können. Für ihren Liederabend hatte sie unter dem Titel "Nostalgia – Sehnsucht – Fernweh" jedoch ein dezidiert romantisches Programm gewählt.
Der Begriff "Romantik" war freilich sehr weitläufig gemeint, umfasste mit (einem Frühwerk von) Aaron Copland sogar einen Komponisten, der erst 1990 starb. Samuel Barber ist durch sein "Adagio" ohnehin als emotionaler Melodiker geprägt (aus der Reihe fällt freilich das eher nüchtern referierende "Solitary Hotel"). Vergleichbares ist auch von den Franzosen des Abends zu sagen: Henri Duparc (u.a. mit seiner mirakulösen "L’Invitation au voyage"), Charles Koechlin, Francis Poulenc sowie der anfangs bereits erwähnte Reynaldo Hahn. Deren Lieder brachte Christiane Kargs weich fließender Sopran mit seinen ätherischen Pianissimotönungen ideal zu Gehör.
Auch einige von Manuel de Fallas "Siete canciones populares espanolas" (sie wurden tatsächlich spanisch gesungen – und das auswendig!) profitierten solcherart ("Asturiana", "Nana"). Aber es verblüfften auch Temperament und Koketterie der Sängerin, über die das Foto auf ihrer Homepage allerdings ein etwas falsches Bild à la Ute Lemper vermittelt. Auch wenn man spanische Lieder mit herberen Mezzostimmen wie der von Teresa Berganza oder noch stärker Conchita Supervia assoziiert, musste man bei Christiane Karg keine Abstriche machen. Und durch einige Gesänge aus dem "Spanischen Liederbuch" war man im Hugo-Wolf-Teil bereits auf das Individuelle ihres Organs bestens eingestimmt worden. Ein begeisternder Abend.  

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