Konzertkritik: David Kadouch

Konzertkritik: David Kadouch

Tanz über die Tasten

David Kadouch Foto: Caroline Doutre

David Kadouch brillierte zusammen mit den Münchner Symphonikern unter der Leitung von Kevin John Edusei mit Saint-Saëns Klavierkonzert Nr. 2
Von Christina Schmidl
(München, 16. März 2014) Nach der Pariser Uraufführung des Konzerts für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll von Camille Saint-Saëns am 13. Mai 1868 ließ der Komponist verlauten, dass der Abend nicht optimal verlaufen war. Das Werk war in nur 17 Tagen für einen Auftritt von Anton Rubinstein entstanden, bei dem der berühmte russische Pianist allerdings nicht selbst spielen wollte, sondern das Dirigat übernahm und Saint-Saëns persönlich am Klavier saß. Saint-Saëns räumte später ein, dass ihm für das Einüben seines technisch ambitionierten und äußerst virtuosen Werkes zu wenig Zeit zur Verfügung gestanden hätte. Im Gegensatz zur Uraufführung verlief die Aufführung dieses Klavierkonzertes mit David Kadouch und dem Münchner Symphonikern unter der musikalischen Leitung von Kevin John Edusei hervorragend.
Der französische Pianist David Kadouch, einer der talentierten jungen Pianistengeneration um Igor Levit oder Rafał Blechacz und 2011 bei den Classical Music Awards als "Young Artist of the Year" ausgezeichnet, begeisterte mit weich perlenden, geschmeidigen Läufen und einem wunderbar samtigen Anschlag. Es war schön zu beobachten, wie Kadouch die Musik nicht nur geistig, sondern auch körperlich erlebt, in ihrer Weichheit mit ihr verschmolz oder durch ihre Markantheit aufgewühlt wurde – sei es im ersten Satz mit seinem romantisch schwelgendem Hauptthema und seiner virtuosen, höchst anspruchsvollen Technik oder im locker, luftig leichten Scherzo. Am Ende der bemerkenswerten Aufführung tropfte dem jungen Franzosen der Schweiß von der Nasenspitze.
Die Münchner Symphoniker bewiesen sich während der Darbietung als wunderbarer Konzertpartner für David Kadouch. Verantwortlich dafür zeigte sich Kevin John Edusei, der ab der Konzertsaison 2014/2015 den Posten des Chefdirigenten bei den Symphonikern übernehmen wird und damit die Nachfolge von Georg Schmöhe antritt, der im Frühjahr letzten Jahres sein Amt abgegeben hatte. Edusei sorgte mit seinem athletisch wirkenden, differenzierten Dirigat nicht nur für eine präzise Orchesterbegleitung bei Camille Saint-Saëns‘ Klavierkonzert, sondern auch für einen abwechslungsreichen, spannungs- und energiegeladenen Klang bei Felix Mendelssohn Bartholdys "schottischen Werken", die den Rahmen des Konzertnachmittags bildeten. [nächste Seite]

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.