Konzert mit Peter Michael Hamel zu dessen 70.

Peter Michael Hamel und Njamy Sitson Foto: Orff-Zentrum München

Durch Musik zum Selbst

Ein Gesprächskonzert zum 70. Geburtstag von Peter Michael Hamel im Münchner Orff-Zentrum

Von Robert Jungwirth

(München, 18. Juli 2017) Carl Orff habe ihm empfohlen beim Musikmachen zu beschwören. Musik solle Menschen in eine andere Bewusstseinsstufe versetzen. Davon war Orff ebenso überzeugt wie Peter Michael Hamel. Auch wenn Hamel, der wie Orff in München geboren wurde, nie im eigentlichen Sinn Schüler von Orff war, gab es zwischen beiden doch einen gedanklichen und musikalischen Austausch. Hamel, der für sich nach Exerzitien in den Kompositionsverfahren der Nachkriegsavantgarde die Qualitäten von Improvisation und traditioneller außereuropäischer Musik kennen und schätzen lernte, traf in Orff einen Wesensverwandten, der sich ebenfalls für diese beiden Musikarten stark interessierte. Hamel erzählt, wie Orff ihm vorschlug, sein Schulwerk als Improvisationsgrundlage zu nehmen und neu aufzuführen. So war es nur recht und gut, den Komponisten Peter Michael Hamel zu dessen 70. Geburtstag am 15. Juli mit einem Gesprächskonzert im Münchner Orff-Zentrum zu ehren.

Und Hamel begann das Konzert auch dementsprechend mit einer feinfühligen Improvisation zusammen mit dem afrikanischen Musiker und Sänger Njamy Sitson und seinem Sohn Johnny an der Perkussion. „Durch Musik zum Selbst“ heißt ein Buch, das Hamel in den bewußtseinserweiterten 70er Jahren veröffentlicht hat und in dem er sehr eingehend die Kraft der Musik und des Musikmachens jenseits tradierter westeuropäischer Schulen beschrieb. Von diesem Geist ist Hamel – das zeigte sich in seiner Improvisation eindringlich – noch immer beseelt. Das aufeinander Hören und aufeinander Reagieren war in ganz besonderer Weise hier zu spüren und natürlich zu hören. Wenn Hamel den afrikanischen Gesangslinien von Njamy Sitson Farbtupfer am Klavier beimischte oder Sitson seinerseits melodische Patterns von Hamel aufnahm. Das wirkte so zeitlos anregend, dass man sich in die 70er oder frühen 80er Jahre zurückversetzt fühlte, wo man ins Freie Musikzentrum in München zu Improvisationskursen pilgerte, zu denen man dann immer auch sein Sitzkissen mitzubringen hatte. Im Freien Musikzentrum war auch Hamel mit Kursen und Konzerten aktiv. Eine „Musik zwischen den Welten“ nannte Hamel seine an diesem Abend aufgeführt Improvisation denn auch durchaus mehrdeutig.

Ergänzt wurde das Konzert-Programm im Orff-Zentrum sinnreich durch drei „Kurze Sprechstücke“ von Orff mit Trommelbegleitung und „Zum Einschlafen zu singen“ für Summstimme und Glockenspiel – aufgezeichnet von Orffs enger Mitarbeiterin Gunild Keetman und dargeboten mit unverwechselbarer stimmlich-darstellerischer Präsenz von Salome Kammer.
Nach einer Gesprächsrunde mit Hamel, dem Leiter des Orff-Zentrums Thomas Rösch und dem Musikpublizisten Franzpeter Messmer, der soeben einen biographischen Band über Hamel herausgebracht hat, gab es schließlich sogar noch die Uraufführung von drei Klavierstücken Hamels mit dem Obertitel „Einmal noch…“ durch den Piannisten Volker Banfield: drei etwas heterogen wirkende Stücke zwischen Minimal-Music, geradezu schroffer Expressivität und Serienfilmmusik. Die Improvisation zu Beginn des Konzerts wirkte überzeugender.

 

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