Konzert des Festivals der ARD-Preisträger

Kammermusikperlen und Wettbewerbssieger

Beim Festival der ARD-Preisträger sind faszinierende, dabei kaum bekannte Kammermusikwerke von ehemaligen Wettbewerbsgewinnern zu hören – ein Glücksfall für alle Beteiligten

Von Robert Jungwirth

(München, 27. Mai 2019) Längst nicht für alle Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs fällt nach der Preisverleihung der Startschuss für eine steile internationale Karriere als Solist oder Mitglied eines Kammermusikensembles. Der Weg zu internationaler Reputation bleibt auch nach einer solch hochrangigen Auszeichnung weiterhin ein steiniger und nur wenige schaffen es, sich im Musikbetrieb einen Namen zu machen. Es muss schon einiges zusammen kommen, damit aus einem hochklassigen Musiker tatsächlich eine Größe wird – nicht zuletzt auch viel Glück.

Umso erfreulicher und anerkennenswerter ist es, dass dieser in seiner Ausrichtung weltweit einmalige Musikwettbewerb auch nach dem eigentlichen Preisträger-Zeremoniell Konzerte für seine Preisträger veranstaltet und den Musikern so die Möglichkeit bietet, weitere Podiumserfahrungen zu sammeln und sich musikalisch weiterzuentwickeln. Dabei steht beim „Festival der ARD-Preisträger“ die Kammermusik im Zentrum. Ausgezeichnete Solisten und Ensembles finden sich für ein vorgegebenes Programm in unterschiedlichen Besetzungen dafür zusammen. Beim jetzigen Festival im Mai und Juni mit insgesamt 14 Konzerten in Bayern und darüber hinaus waren bzw. sind das die Musiker des Trios Marvin (Vita Kan, Klavier, Marina Grauman, Violine und Marius Urba, Cello) sowie der Bratscher Diyang Mei und der Oboist Thomas Hutchinson.

Der chinesische Bratscher Diyang Mei, der 2018 nicht nur einen ersten Preis, sondern außerdem noch den Publikumspreis sowie den Preis für die beste Interpretation eines Auftragswerks gewonnen hat, eröffnete das zweite Konzert im Funkhaus des BR mit den vier Märchenbildern für Viola und Klavier von Robert Schumann. Wie überaus anspruchsvoll diese ausdrucksstarken und wechselvollen Miniaturen für die Bratsche sind, konnte man schon daran erkennen, dass Mei schon relativ bald die Schweißperlen auf der Stirn standen. Mei spielte die Stücke sehr flexibel und beweglich in Ton und Ausdruck.

Im vielgestaltig-expressiven Trio des in einem Außenlager von Auschwitz umgekommenen Komponisten Gideon Klein, das in eben diesem Lager noch 1944 entstanden ist, beeindruckte das Trio Marvin (dritter Preis 2018) vor allem im rhythmischen dritten Satz mit einer sehr geschlossenen und durchgeformten Wiedergabe. Noch seltener dürfte das Quartett für Oboe, Violine, Cello und Klavier von Bohuslav Martinu aus dem Jahr 1947 zu hören sein, bei dem es sich sozusagen um ein kleines Oboenkonzert handelt – stilistisch angesiedelt zwischen Bela Bartok und Richard Strauss. Eine aparte Mischung, von den jungen Musikern – allen voran Thomas Hutchinson an der Oboe – mit Bravour interpretiert (der Neuseeländer gewann 2017 einen zweiten Preis).

Zum Highlight des Abends aber geriet die Sonate für Oboe und Klavier von Francis Poulenc aus dem Jahr 1962. Das Entstehungsdatum ist für den Klang des Stücks vollkommen irrelevant – es könnte genauso von 1924 stammen. Poulenc hat darin die impressionistisch-gewitzte Musiksprache der 20er Jahre zu 100% beibehalten und ein faszinierend klangschönes und atmosphärisch dichtes Stück geschrieben, das man gerne öfter hören würde. Aber welcher Veranstalter setzt schon so ein Stück aufs Programm? Auch deshalb sind die Konzerte des ARD-Wettbewerbs so wertvoll, weil sie den Besuchern die Gelegenheit bieten, quasi nie gespielte Schätze der Kammermusikliteratur live von hochmotivierten Musikerinnen und Musikern zu erleben (Die Konzerte werden von BR-Klassik in der Festspielzeit im September im Radio gesendet – bitte auf der Homepage des Senders nachsehen).
Spätestens hier muss nun endlich auch die Pianistin Vita Kan gewürdigt werden, die sich den ganzen Abend über als hochversierte, prägnante und zugleich einfühlsame Begleiterin zeigte.

Das abschließende reife Mozart Klavier-Quartett in g-moll von 1785 boten die Musiker mit hohem technischen und musikalischen Können. Großer Applaus im Münchner Funkhaus für ein außergewöhnliches Konzert. Man wird sehen, wo wir den fünf Musikern wieder einmal begegnen werden und drücken ihnen auf alle Fälle die Daumen…

Noch sechs Konzerte stehen beim Festival Ende Mai und Anfang Juni an, hier die Termine: https://www.br.de/ard-musikwettbewerb/festival/programm/index.html

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