Konflikt zwischen Thielemann und Bachler in Salzburg spitzt sich zu

Der Künstlerische Leiter Christian Thielemann und der zukünftige Intendant der Salzburger Osterfestspiele Nikolaus Bachler geraten mehr und mehr aneinander wegen der Verteilung der Kompetenzen für die zukünftige Planung des Festivals. Das berichten verschiedene österreichische und deutsche Medien und berufen sich auf einen Brief Thielemanns an die Generalversammlung und den Aufsichtsrat der Osterfestspiele.
Thielemann beklagt sich darin über die Unmöglichkeit zu planen, wenn die Kompetenzen nicht geklärt seien. „Dieser Stillstand gefährdet die Osterfestspiele in ganz erheblichem Maße“, schreibt Thielemann. „Es ist unannehmbar, dass in diese künstlerische Verantwortlichkeit eines Dirigenten von außen eingegriffen und ihm andere Werke und Programme aufoktroyiert werden könnten.“

Thielemann sieht für 2022 eine Aufführung von Wagners „Lohengrin“ mit Piotr Beczala (Titelrolle), Jacquelyn Wagner (Elsa) und Elena Pankratova (Ortrud) vor, für 2023 „Elektra“ von Strauss mit Pankratova. Regie soll Katharina Wagner führen, was der Noch-Intendant der Bayerischen Staatsoper Bachler dem Vernehmen nach ablehnt. Bachler soll ab 2020 Geschäftsführer und ab 2022 Intendant der von Herbert von Karajan gegründeten Festspiele an Ostern werden, bei denen früher stets die Berliner Philharmoniker Opern spielten. Seit sechs Jahren ist Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle dort präsent, nachdem die Berliner nach Baden-Baden umgezogen waren. Thielemann habe schon vor Monaten klargemacht, dass er sich eine Zusammenarbeit mit Bachler in Salzburg nicht vorstellen könne.

Mittlerweile gehen Beobachter davon aus, dass eine friedliche Koexistenz zwischen Bachler und Thielemann für Salzburg nicht mehr zu erwarten sei. Es wird sogar vermutet, dass das durchaus mit Absicht auch aus politischen Kreisen in Salzburg so geplant gewesen sein könnte, um eine Option zu eröffnen, in Zukunft Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker zurück an die Salzach holen zu können.

Die FAZ findet für den Vorgang der Quasi-Entmachtung Thielemanns selten drastische Worte: „Es ist ein singulärer Vorgang in einer zum Weltwarenhaus erniedrigten „Hochkultur“, dass es unter dem Protektorat einer Politbanditengesellschaft einem zum künstlerischen Leiter ernannten Dirigenten verwehrt – gar verboten – wird, seine Programmvorstellungen zu verwirklichen.“

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