Kommt Serge Dorny nach München?

Serge Dorny

Der Leiter der Oper Lyon Serge Dorny gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper München – als GMD wird Vladimir Jurowski gehandelt. Es wäre eine spannende und vielversprechende Kombination.

(München, 29. November 2017) Als Kandidat für Höheres wird Serge Dorny, der langjährige Opernchef von Lyon, Frankreichs heimlicher Opernhauptstadt, schon längere Zeit gehandelt. Dresden sollte es 2014 werden, doch dort warteten zu viele Hindernisse auf den ideensprühenden Dorny – vor allem in Form von Christian Thielemann. Dorny wurde wieder ausgeladen bevor er überhaupt antreten konnte. Eine unschöne Geschichte vor allem für die Semperoper. Also blieb der Belgier in Lyon und bot dort weiterhin einen so spannenden Spielplan, dass die Theater in Paris dagegen alt aussahen. In diesem Jahr nun wurde das Opernhaus in Lyon von der deutschen Zeitschrift „Opernwelt“ zum Opernhaus des Jahres gekürt. Außerdem erhielt es ebenfalls in diesem Jahr die Auszeichnung „Bestes Opernhaus des Jahres“ durch die International Opera Awards in London.

Dorny setzt in Lyon seit 2003 auf einen einfallsreichen, aber keineswegs abgehobenen Opernstil mit Klassikern, aber auch jeder Menge unbekannter und neuer Opern. Dabei beweist er ein hervorragendes Gespür für die musikalisch-szenische Qualität sowohl der Werke also auch der künstlerischen Teams, die er dafür einlädt (KlassikInfo.de hat über fast alle Premieren in Lyon in den vergangenen Jahren berichtet – siehe Archiv).

Dorny, der seine Laufbahn als Assistent von Gerard Mortier an der Oper in Brüssel begann, wurde von diesem viel zu früh gestorbenen genialischen Opernintendanten und legendären Leiter der Salzburger Festspiele stark geprägt. Und Dorny gelang es in Lyon, die Oper wieder zum Gesprächsthema zu machen, sie ins gesellschaftliche Leben zu integrieren und die Zuschauerschaft im Alter deutlich zu senken. Oper für alle könnte man sagen. Für München wäre das durchaus eine schöne Erfüllung eines Slogans, der bislang fast nur an einem Tag im Jahr wirklich gilt. Ansonsten zeigt sich während der Intendanz Nikolaus Bachlers hier gerne eher eine Phalanx der Reichen und Schönen in Münchens Operntempel nebst den unvermeidlichen Adabeis. Jugendliche sieht man selten. In Lyon ist zu erleben, wie aktuell Oper sein kann. Und das ist das Verdienst eines umtriebigen Intendanten. „Ich bin doch kein Türhüter von einem Mausoleum, und ich glaube an die Zukunft und an die Notwendigkeit von Oper“, so Serge Dorny. Ein Porträt von Serge Dorny gibt es auf KlassikInfo.de auch hier http://www.klassikinfo.de/portrat-serge-dorny/

Als GMD für München ist übrigens Vladimir Jurowski im Gespräch, der gerade zum neuen Leiter des Berliner Radio-Sinfonieorchesters gekürt wurde (hier unsere Kritik seines Einstandskonzerts beim Berliner RSB http://www.klassikinfo.de/jurowskis-auftakt-berlin/). Auch diese Entscheidung wäre zu begrüßen. Wir sind gespannt.

Robert Jungwirth

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