Klee-Ausstellung

Noten auf der Staffelei

Paul Klee: Lied des Spottvogels von 1924 Foto: Museum


Eine Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne widmet sich der Beziehung Paul Klees zur Musik

(Salzburg, Ende Oktober 2008) „Meine Geliebte ist und war die Musik, und die ölriechende Pinselgöttin umarme ich bloß, weil sie eben meine Frau ist.“ Das schrieb der Maler Paul Klee einem Freund im November 1898 in einem Brief, und drückte damit seine Zerrissenheit zwischen der Malerei und der Musik aus. Klees Eltern waren Berufsmusiker, er selbst hatte bereits mit 7 Jahren Geige gelernt, mit 17 Jahren spielte er als außerordentliches Mitglied im Bernischen Orchesterverein. Nach Abschluss seines Kunst-Studiums in München kehrte er zunächst in seine Heimatstadt Bern zurück und arbeitete dort als Geiger. Natürlich entstanden in dieser Zeit auch Bilder und Zeichnungen, darunter auch einige, die schon im Titel einen deutlichen Musikbezug aufweisen, wie „Jüngling auf eine Leier gestützt“ von 1905 oder „Mann mit Drehorgel“ aus dem gleichen Jahr.
„Immer mehr drängen sich mir Parallelen zwischen Musik und bildender Kunst auf. Doch will keine Analyse gelingen“, notierte Klee in dieser Zeit. Nach der Heirat mit der Pianistin Lily Stumpf übersiedelte das Paar nach München. Hier lernte Klee Wassily Kandinsky kennen, der sich ebenfalls sehr stark mit Musik beschäftigt und mit dem Komponisten Arnold Schönberg befreundet ist. In dessen Musik erkannte Kandinsky einen Wegweiser für die Abstraktion in der Malerei.
Begriffe wie Tonalität, Töne, Harmonie und Rhythmus prägten mehr und mehr das Vokabular auch für Klees bildnerische Arbeit. Den Begriff Komposition verwendete er nun erstmals als Bildtitel. Auf vielfältige Weise wurde die Musik zur Anregerin für Klees Werke. Ob es nun reale Erscheinungen aus der Welt der Musik waren, wie Musiker, Sänger oder Instrumente oder aber musikalische Begriffe – Paul Klee fand in der Musik während seines gesamten Schaffens ein breites Spektrum für seine Inspiration als Maler. Klees Bilder und Zeichnungen zeigen wie bei kaum einem anderen Maler, wie Musik bildhaft werden kann und wie auf der anderen Seite Bilder klingen können.

Die Salzburger Ausstellung „Paul Klee. Melodie / Rhythmus / Tanz“ im Museum der Moderne, die in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee in Bern entstanden ist, versucht die Vielfalt der Beziehungen zwischen Malerei und Musik im Werk Klees aufzeigen. Dabei folgt sie der Chronologie der Werke und macht die unterschiedlichen Aspekte der Analogiebildung durch Klee deutlich. Vor allem während seiner Lehrtätigkeit am Weimarer Bauhaus in den 20er Jahren, analysierte Klee verstärkt die wechselseitigen Beziehungen zwischen beiden Künsten, etwa zwischen Struktur und Rhythmus, Linie und Melodie, Mehrdimensionalität und Polyphonie. Bilder wie die „Fuge in Rot“ oder „Rhythmische Landschaft“ sind dafür wichtige Beispiele. Allein in den Jahren 1921 und 1922 schuf Klee nicht weniger als 22 Werke mit musikalischem Bezug.
Er zeichnete beispielsweise die Bewegungen des Taktstocks eines Dirigenten nach oder entdeckte musikalische Strukturen in der Natur. „Rhythmische Landschaft“ ist ein Bild betitelt, das Pflanzen in einem Beet wie Noten in einer Partitur anordnet. Bilder aus Farbtupfern nennt Klee „polyphone Bilder“ in Anlehnung an die musikalische Mehrstimmigkeit, die ihn vor allem in der Musik Johann Sebastian Bachs faszinierte. In einem Aufsatz für die Zeitschrift Bauhaus nimmt Klee unter der Überschrift „Exakte Versuche im Bereich der Kunst“ Bezug auf die Musiktheorie des 18. Jahrhunderts.

Den intensivsten Kontakt am Bauhaus hat Klee zu jenen Kollegen, die ebenfalls Musiker sind, wie etwa Lyonel Feininger, der Klavier spielt und selbst Fugen komponierte oder sich für Musik interessieren wie Oskar Schlemmer.
Ebenso wie die Musik vielen von Klees Arbeiten als Vorlage oder Inspirationsquelle diente, ebenso weisen viele seiner Bilder, selbst solche, die keinen dezidierten Musikbezug haben, eine bestimmte Musikalität auf.
Klees Gefühl für Rhythmus und Bewegung, Farbe und Form kann beim Betrachter musikalische Assoziationen freisetzen. Manche Bilder kann man regelrecht als grafische Partituren lesen. So wundert es auch nicht, dass Klee der am meisten vertonte Maler des 20. Jahrhunderts ist. Zahlreiche Komponisten haben sich von seinen Bildern zu Musikstücken anregen lassen.

Paul Klee: Der Paukenspieler. Foto: Museum

Unter den etwa 200 Exponaten der Salzburger Ausstellung sind nicht nur Bilder, sondern auch zahlreiche Fotos und Dokumente, die dem Besucher über das bildnerische Werk hinaus, die Beziehung des Malers zur Musik veranschaulichen sollen. Etwa eine Fotografie, die Klee beim Quartettspielen zeigt, als Notenständer dient die Staffelei.

Nach der Tätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau wird Paul Klee 1931 zum Professor der Kunstakademie in Düsseldorf ernannt. Die Machtergreifung Hitlers 1933 sorgt für ein frühes Ende seiner Arbeit dort, im April 1933 wird er fristlos entlassen. Klee geht zurück nach Bern, wo er bis zu seinem krankheitsbedingten frühen Tod mit 61 Jahren lebt und arbeitet.
Bis zuletzt bleiben musikalische Themen ein wichtiger Aspekt in Klees Bildern, wobei er immer wieder nach neuen Möglichkeiten sucht, die Analogien zwischen beiden Künsten darzustellen. Und noch sein Protest gegen das Nazi-Regime in Deutschland ist mit einer musikalischen Komponente versehen: „Der Paukenspieler“ heißt ein Bild von 1940, das nichts mehr von der Leichtigkeit der früheren Musik-Bilder hat, sondern mit kräftigen Pinselstrichen die Brutalität der politischen Verhältnisse ausdrückt.
Robert Jungwirth

Die Ausstellung ist bis 1. Februar 2009 zu sehen, der ausführliche und empfehlenswerte Katalog kostet 33 Euro –