Klavierabend Maurizio Pollini

Apollinische Clarté

Foto: Philipe Gontier / DG

Klavierabend von Maurizio Pollini in München
(8. März 2007) Nicht oft erlebt man den Münchner Herkulessaal so brechend voll, wie wenn der Klavier-Altmeister Maurizio Pollini seine Getreuen zu sich ruft. Zu Recht, denn noch immer ist der 65Jährige ein Garant für ein herausragendes Musikerlebnis. Noch immer sind seine von Klarheit und Bewußtheit geprägten Interpretationen von außerordentlicher Wirkung. Die technische Brillanz Pollinis nicht minder.
So gerieten Robert Schumanns „Acht Phantasiestücke op. 16“, genannt „Kreisleriana“ zu einem faszinierend klarsichtigen Plädoyer für die Romantik als eine geistige und nicht nur emotional geprägte Epoche. Geistigkeit ohne Sentiment, das ist es, was Pollini in diesen Stücken demonstriert. Gleichwohl bewirkten die so fein ausbalancierten Klänge vor allem in den langsameren Passagen einen geradezu meditativen Tiefgang.
„Glotzt nicht so romantisch!“, scheint Pollini seinen Zuhörern in bester Brecht-Nachfolge zuzurufen, und so klingt das mysteriös-märchenhafte Schlußstück des Zyklus‘ vielleicht sogar etwas zu nüchtern unpoetisch.
Zur Einstimmung auf die (a)pollinische Clarté gab’s erst mal etwas Stockhausen. Der bläst die Ohren durch und sensibilisiert für den Klang im Ton. In dreien von Stockhausens Klavierstücken ließ Pollini den Klangfarben-Künstler in diesem Komponisten erfahrbar werden, mit nuancenreicher Anschlagskultur und faszinierenden dynamischen Abstufungen, so dass mitunter sogar ein Hauch von Debussy hörbar wurde. Und wenn Pollini Stockhausen spielt, wird noch nicht mal Protest-gehustet.

Legendär ist Pollinis Einspielung der Etüden von Frédéric Chopin. Die erzählerischen, poetischen Balladen oder auch die Nocturnes entziehen sich dagegen ein wenig seinem Zugriff. Das Publikum glotzte nicht romantisch, war aber auch nicht restlos begeistert. Was die brillante Wiedergabe der technischeren As-Dur-Polonaise wieder ausglich.
Robert Jungwirth

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