Klassik für Millionen

Foto: Michael Malfer

Klassik-am-Odeonsplatz war auch dieses Jahr wieder ein Erfolg. Aber warum bietet man das nicht für alle und umsonst an?

Von Robert Jungwirth

In diesem Jahr hatten die Veranstalter Glück. Es goss nicht aus Kübeln, und man brauchte auch keinen Mantel, um die Abendkühle zu überstehen. Es war vielmehr ein geradezu mediterranes Fest am italienischsten Platz der italienischsten Stadt Deutschlands. Schließlich ist die Feldherrnhalle am Münchner Odeonsplatz eine ziemlich originalgetreue Kopie der Loggia dei Lanzi in Florenz und die angrenzende Residenz eine Kopie des Palazzo Pitti. Ja, so italienisch ist München. Und die hiesige Klassik-Open-Air-Veranstaltung des Jahres (neben „Oper für alle“) zelebriert die schöne Architektur, das Draussen-Sein und das Musik-Genießen. Ganz wie in Italien. Dazu spielen traditionsgemäß an einem Juli-Wochenende die beiden großen Münchner Konzert-Orchester, die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des BR auf. In diesem Jahr stand sogar der Chefdirigent der Philharmoniker Valery Gergiev am Pult, Solistin war die phantastische chinesische Pianistin Yuja Wang. Beim BR sorgte vor allem der unermüdliche Perkussionist Martin Grubinger für Begeisterung.

Im Vergleich zu den Anfängen im Jahr 2000 wird mittlerweile bei Licht und Ton nicht mehr gekleckert, sondern geklotzt – alles ist vom Allerfeinsten, damit es auch wirklich nach Symphonieorchester klingt. Und die Münchner lieben diese Veranstaltung, 16.000 kamen am vergangenen Samstag und Sonntag zu Kartenpreisen von 19 bis 78 Euro. Ein schönes Ereignis ohne Frage.

Nur wäre es noch schöner, wenn die beiden hochsubventionierten Orchester diese Open-Air-Veranstaltung kostenlos für alle interessierten Münchnerinnen und Münchner anbieten würden. Wenn auch die, die über ihre Steuern und Fernsehgebühren diese beiden Klangkörper mitfinanzieren und vielleicht nie zu einem Konzert gehen, hier die Gelegenheit zu einem kostenlosen Konzerterlebnis hätten. So wie das die New Yorker Philharmoniker alljährlich im Central Park veranstalten, wo die Leute dann zum Picknicken und Musikhören kommen. Es wäre ein tolles Angebot und eine schöne Geste: Wir spielen einmal im Jahr für euch umsonst und bringen Klassik unters Volk! Die Staatsoper schafft das mit ihren kostenlosen Open-Air-Veranstaltungen. Warum gelingt es nicht auch diesen beiden Orchestern?

Am Willen mangelt es dem Vernehmen nach nicht, sondern am Geld. Denn trotz vieler verkaufter Karten seien die Konzerte ein Zuschussgeschäft für die Orchester, heißt es. Der organisatorische Aufwand sei beträchtlich und die damit verbundenen Kosten eben auch. Dagegen läßt sich kaum anargumentieren. Aber könnte man nicht versuchen, einen oder zwei oder drei der Münchner Dax-Konzerne für eine solche spektakuläre Open-Air-Umsonst-Veranstaltung als Sponsor zu gewinnen? Ein paar Millionen sind für die doch die berühmte Portokasse. Es wäre einen Einsatz wert. Oder man teilt das Publikum in einen Bezahlbereich und einen Kostenlos-Bereich bis zur Staatsbibliothek bzw. Von-der-Tann-Straße. Nur mal so als Idee. Das reiche München sollte seinen Bewohnern so etwas eigentlich gönnen können…

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