Killmayer und seine Schüler

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Der sanfte Anarchist

Wilhelm Killmayer und seine Schüler – ein Gesprächskonzert im Münchner Orff-Zentrum

Von Robert Jungwirth

(München, 5. Dezember 2017) Verstörend und rätselhaft wirken die klanglichen Chiffren, die Wilhelm Killmayer in seiner Komposition „Schumann in Endenich“ für fünf Schlagzeuger, Klavier und E-Orgel verwendet. Traumhaft, unbestimmt, ziellos. Wie anders sollte es auch klingen, wenn man den Zustand Schumanns in der Nervenheilanstalt, in der er gestorben ist, in Tönen beschreiben will.

Schumann im Besonderen und die Romantik im Allgemeinen waren für Killmayer, den unangepassten Modernisten, von besonderer Bedeutung. Das wird in vielen Titeln und natürlich vor allem in seiner Musik deutlich, wie in den mit eindeutigen romantischem Klanggesten aufwartenden Nocturnes für Klavier, von denen Werner Bärtschi beim Konzert zu Ehren Wilhelm Killmayers im Münchner Orff-Zentrum „Am Grat“ und „Schlupfloch“ spielte. Das hoben aber auch seine Schüler Markus Schmitt und Moritz Eggert im Gespräch über ihren in diesem Jahr kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorbenen Lehrer hervor. Und natürlich Killmayers Liebe zum einzelnen Ton. Ein sanfter, gutmütiger Anarchist sei er gewesen und entsprechend unkonventionell sei auch sein Unterricht an der Münchner Musikhochschule gewesen, an der Killmayer ab 1973 unterrichtete. Eggert folgte seinem ehemaligen Lehrer schließlich auf diesen Lehrstuhl nach und ist dort heute Professor für Komposition.

Max Beckschäfer, Markus Schmitt, Johannes X. Schachtner, Moritz Eggert Foto: Jan Adamiak/Orff-Zentrum

Ein Drei-Generationenkonzert sozusagen gab es an diesem Abend im Münchner Orff-Zentrum mit Werken Carl Orffs, Killmayers und Sandeep Bhagwatis – als Auftakt eines kleinen Festivals, das Killmayers Schüler im Gedenken an ihren Lehrer vom 5. bis zum 11.12. in München veranstalten (Informationen unter: www.adevantgarde.de).

Vielleicht ist Killmayers musikalischer Anarchismus ja tatsächlich von seinem Lehrer Carl Orff inspiriert gewesen. Denkbar wäre es, denn querständig und eigensinnig war auch Orff ohne Zweifel. Und auch Bhagwati und Eggert zeichnen sich durch sehr eigene Stile und Konventionsbrüche aus. Der indisch-stämmige Bhagwati auch durch die Einbeziehung traditioneller indischer Musiken – wie in seinem an diesem Abend aufgeführten Stück „Nirgun Bhajan“ von 2013 für Blockflöte, Schlagzeug und Zuspielung, bei dem die Flötistin Iris Lichtinger auch singen musste und das auch sehr überzeugend tat. Von Orff war an diesem Abend das Sopran-Solo „In Trutina“ aus den „Carmina Burana“ zu hören, das Killmayer 1956 für Klavier und Schlagzeug bearbeitete (Sorpan: Andrea Oswald). Aber auch die Tre danze für Oboe und Schlagzeug von 1959 oder mehr noch das mehrsätzige „Balletto“ aus dem gleichen Jahr für Blockflöten und Rhythmusinstrumente zeigen den Einfluss von Orff auf Killmayer in dieser frühen Zeit sehr deutlich auf. Das Ensemble aDevantgarde, das Ensemble Flauti dolci sowie die Schlagwerker Augsburg bildeten für das Potpourri des Dreigenerationenkonzerts ein kompetentes und motiviertes musikalisches Team.

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